Sonntag, 24. September 2017

Aushalten



Aushalten
halten bis es aus ist,
halten bis es aufhört,
halten bis es
nichts mehr zu halten gibt.
Wie kann etwas aufhören zu sein,
wenn es gehalten wird?
Wie kann also Aushalten
ein Ende haben?
Wie soll ich das Aushalten
aushalten können,
wenn kein Ende
des Aushaltenmüssens
in Aussicht ist?
                                                                  ©Frau NebeL 2001

Dienstag, 12. September 2017

Willkommen

Willkommen sein. Ein gutes, schönes tragendes Gefühl. Ich fühle mich an vielen Stellen willkommen. Mein Lächeln, meine Geduld, meine Art. Manchmal auch mein Humor. Meine Empathie. Meine Fähigkeit zuzuhören. Mein Wille, mich einzusetzen für irgendetwas,das ich als wichtig erachte, zumeist meine Mitmenschen. Ich bin willkommen als Zuhörer. Bin willkommen als jemand, der an vielen Stellen vieles meistert. Bin willkommen als jemand, der "da" ist für Andere. Auf jeden Fall trägt das.
Aber so manches Mal fühle ich mich nicht willkommen. Ich fühle mich nirgends mehr willkommen, wenn das Licht erlischt. Wenn es dunkel wird in mir. Wenn meine Gedanken und Gefühle befremdlich sind. Wenn ich nicht mehr einfach zu sein scheine, sondern scheinbar plötzlich kompliziert. Wenn mein Erleben sich nicht mehr deckt mit dem der anderen, Wenn meine Welt zu laut ist und zu hell. Wenn ich zurückschrecke vor unerwarteten Berührungen, wenn ich erschrecke bei unerwarteten Bewegungen und Geräuschen. Wenn da Dinge sind, von denen ich weiss, dass sie nicht sind. Es ist nicht nur mein Rückzug, mein Rückzug, der im krank sein begründet liegt und nur durch viel Kraft überhaupt an der ein oder anderen Stelle überwunden werden kann. Es ist auch der Rückzug der Anderen. Weil ich wunderlich bin, Weil manch einer nicht weiss, was er tun soll. Weil manch einer sich distanziert von diesem anstrengenden Sein, das in mir wohnt. Ich fühle mich zuviel.  
Und es ist wieder und wieder dasselbe: da ist kein Raum für das Anders sein. Da ist kein Raum für Fehl-erleben. Da ist kein Raum für Wunderlichkeiten. Da ist kein Raum für Dunkelheit, da ist kein Raum für befremdliche Gedanken. Ich fühle mich raumlos und menschenfern. Nicht angenommen mit allem, nur das Einfache und Gute hat Platz. Vielleicht mag das unfair klingen, da ich ja weiss, dass manch einer sich bemüht, manch einer an dieser oder jener Stelle auch etwas sagt.  Manch einer anbietet: hey, ich bin da. Zumeist aber ist die Entfernung - selbst oder gerade wenn es zu Momenten kommt, in denen ich zeigen kann, was ist - groß und vergrößert sich eher noch. 
Ich bin haltlos in einem Leben, das ein dunkles ist und mir mehr abverlangt als ich auf Dauer zu tragen vermag. 
Ausgesucht habe ich mir das nicht. Ein wenig bin ich vielleicht so geboren, vor allem aber hat mein Leben mich zu dem gemacht, was heute ist.  Ich kann mich nicht entscheiden, mit oder ohne Erkrankung zu leben. Ich habe mich nicht entschieden, zu erkranken. Manchmal kann ich entscheiden, wieviel Raum ich ihr gebe. Oft aber bin ich entscheidungs- und machtlos. Und kann nur sehen, wie ich klarkomme. Wie ich überlebe.

Sonntag, 10. September 2017

Pläne und Realitäten.

Eigentlich war mein Plan, dieses Wochenende quasi nichts zu tun. Die einzige Verabredung traf ich im Vorfeld mit meinem Fernseher, um das BVB Spiel am Samsatg anzusehen. Bitter nötig ist mir eine Pause. Das ist insgesamt schwierig, weil die verschiedenen Situationen das nicht hergeben - Leben im Mehrgenerationenhaus, Schlafen im familialen Wohnschlafraum, viele zu erledigende Dinge bei laufendem Erbstreit, und zusätzlich einem rastlosem Inneren bei viel zu vielen dunklen eigenen Gefühlen undsoweiterundsofort. Aber vorgenommen hab ich es mir immerhin...
Fakt war dann, dass ich mittags der Mutter bei diversen Dingen half, K2 zur Geburtstagsparty brachte, eben noch schnell vergessene Einkäufe erledigte, zudem K1 eine dringend benötigte Sweatjacke kaufte und mit dem Gatten gemeinsam die Waschmaschine wieder herrichtete (sie pumpte kein Wasser mehr ab). Aber - dann sollte ja der Nachmittag kommen. Ich frühstückte Chips (weil Essen vor dem Nachmittag momentan einfach nicht geht) vor dem laufenden BVB Spiel, bis nach einer Viertelstunde die Mutter zu mir nach oben kam. Fortan schauten wir gemeinsam, bestellten spontan Sushi zum Abholen, aßen selbiges nach dem Spiel und gingen mit dem kleinen Kindelein aufs Pfarrfest nebenan, wo das große Kind und HerrNebeL bereits für den Verkauf grillten.
Bis auf die Hilfe am Mittag (die viel Geduld erforderte) war das eigentlich recht entspannt. Fort von daheim führten wir bei einem Glas Wein (die Mutter) und 2,3 Cocktails (ich) schöne Gespräche. Darüber, wie wir die Welt sehen, den Erbstreit beurteilen. Darüber, wie wir meinen Vater, ihren Mann empfanden. Und manches von früher.
Es ist schön, so mit ihr zu reden. Zumal ich dann auch in den Hintergrund drängen kann, wie hilfsbedürftig sie an so vielen Stellen ist. Natürlich hat sie immer noch ihre Empfindungen, Meinungen, die aus ihr heraus kommen und nicht die, die plötzlich aufpushen, wenn etwas zu schnell geht oder zu viel wird - wenn sie, um sich aus der Bedrängnis zu kämpfen an Stellen, wo sie nicht mehr folgen kann, schimpfig  und irrational wird - was sie früher  niemals war. Das heute aber war so eine Gelegenheit, wo sie einfach sie selber war. Und nicht betroffen vom Vergessen. Das sind wertvolle Momente. Für sie. Für mich. Aber sie kosten mich, auch wenn sie schön sind, auch wenn ich sie als einen Lichtblick des Tages betrachten mag, ungeheuer viel Kraft.  Kraft, die ich nicht mehr habe. Vielleicht auch auf dem Boden der Erkrankung der Mutter, dem gerade verstorbenen Vater, all den Dingen drumherum und dem derzeitigen Zustand, in dem ich selber mich befinde.
Ich brauche eine Pause. Weiß ich. Aber egal, wie sehr ich versuche, für mich zu sorgen - es gelingt einfach nicht.  Da ist kein Raum.  Ich fühle mich gefangen in allem.

Ich glaub, im Moment ist es hier wirklich schwer.

Mittwoch, 6. September 2017

Immer wieder stehe ich an Stellen, an denen es mich wundert, wie einsam ich sein kann, inmitten der Familie, inmitten von Freunden, inmitten von mir vertrauten Menschen. Entfernt von allen, eingeschlossen im eigenen "mich nicht mehr seiend" - fühlen, kraftlos, leer und entrückt. Und meine Hülle rennt weiter im ewigen, ziellosen Hamsterrad der Anforderungen der Welt. Und rennt und rennt und rennt. Wundern über Einsamkeit muss ich mich wohl nicht.

Dienstag, 5. September 2017

WMDEDGT September 2017

Frau Brüllen fragt seit vielen Monaten ausgelöst durch eine Woche Tagebuchbloggen Im Frühjahr 2013, auch hier irgendwo im Archiv zu finden ;-), nun jeden 5. eines Monats: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" - und ich mach gern mit. Weitere Tagebuchblogger von heute auch bei FrauBrüllen: hier.

Mein Tag begann in der Nacht mit bescheidenem Schlaf, schöner Musik und einem zu mir ins Bett krabbelndem Kindelein. Irgendwann schliefen wir dann weiter bis kurz nach sechs - ich schlief wenig besser, als das Wachen und Gedankenkarussellieren vorher war - und musste dennoch ran, das Kindelein wecken. Und wecken. Und wecken. Was mir sehr schwer fällt, wenn ich selber durch die bescheidenen Nächte recht gezeichnet bin und lieber auch die Augen ganz schnell wieder schließen würde... Um zehn vor sieben stehe ich entnervt auf und überlasse HerrnNebeL den weiteren Weck - Job und springe krieche unter die Dusche. Tatsächlich steht auch das Kindelein währenddessen auf. HerrNebeL und Kind1 treten ab und ich - um etwa drei nach sieben komplett fertig - ertrage die Muffeligkeit der kleineren Tochter. 
Um viertel nach sieben verlassen wir etwa das Haus, fahren meine Morgenration kalten Kaffee und ein Getränk für die Arbeit kaufen, düsen an der Tankstelle vorbei und ich liefere das Kind gegen 07:40 in Schulnähe ab. Anschliessend stell ich mir erst mal schöne Musik auf Dauerschleife und seeehr laut und fahre zur Arbeit. Irgendwann kurz nach acht sitze ich dann im Büro, stelle wieder die Musik auf Dauerschleife und beschäftige mich mit dem kommenden Tagesgeschehen am Rechner. Morgens nur 6 statt 7 Patienten mit einer Viertelstunde unerwarteter Pause. Diese nutzte ich dann am Ende mit einem Patienten, in dem wir leckeren Kaffee aus unserer Team Maschine tranken (der Kaffee auf der Station ist - nunja.) und unterhielten uns gut - trotz einer bei ihm bestehenden schweren Sprach- und Sprechplanungs- Störung. Zwischen diesen beiden Begebenheiten ignorierte ich die chaotischen Zustände auf meiner Station, hörte mir von etwa drei Kolleginnen verschiedene Probleme, Stressituationen oder ähnliches an und behandelte die 5 anderen Patienten.
Mittags saßen wir mit den meisten Mitgliedern des Sprachteams im Teamraum zum Essen und Trinken, ich hörte mir wiederholt blöde Sprüche zur derzeitigen Nahrungsaufnahme an (Kaffee und smoothie - wir sind gerade nicht so gut Freund miteinander, das Essen und ich) und nutzte die restlichen ruhigen 5 Minuten, als alle Raucher abdampften und die anderen anderweitige Gründe hatten, in ihre Büros zu gehen, mit der jüngsten Kollegin - einig, wie schön die Ruhe zu zweit dann doch ist .
Eine weitere Patientin behandelte ich und machte mich dann auf den Weg in die vierte Etage zum Betriebsarzt. Eigentlich, weil ich eine Impfung bekommen sollte. Zu den fehlenden Titern lagen aber gar keine Unterlagen mehr vor und so wurde mir nur Blut abgezapft, zur Titerbestimmung. Und es wurden Formalia aufgenommen. Wie jedesmal, wenn ich beim Betriebsarzt bin - in den 17 Jahren Betriebszugehörigkeit hab ich nämlich nur einen Arzt zwei mal gesehen.
Ein kurzes erstauntes Fragen zur derzeitigen Medikation ("Und Ihnen gehts gut damit?" - Äh, mh. Wie jetzt? "Ja, danke") und dann durfte ich erneut eine Patientin aufsuchen. Die bedauerte sehr, dass sie meine Hilfe nicht brauchte - eine neu aufgenommene Patientin, bei der Sprachtherapie nicht indiziert war. Und dann hatte ich erneut unerwartet fast eine Stunde Leerlauf. In der ich dokumentieren hätte können. Und den Teamraum putzen. Und Unterlagen sortieren. Ich hab mich aber zur Kollegin ins Büro gesetzt, der es ähnlich ging, und wir haben uns unterhalten.
Kurz bevor ich Feierabend hatte, irgendwann nach 15:00 Uhr, bekam ich eine email auf meinen Privataccount, in der der erwartete Erbstreit nun erstmalig nicht mehr nur zwischen den Zeilen zu lesen war. Unser Ziel hier ist eigentlich, die gesetzliche Erbfolge meines verstorbenen Stiefvaters friedlich und "ordnungsgemäß" zu lösen. Ich fürchte jedoch, das wird nicht möglich sein - die erste, dritte und vierte mail der leiblichen Tochter an mich verhärtete dieses Gefühl im Laufe des Nachmittages. Ich warte ehrlich gesagt noch auf weitere emotional geladene Schreiben. Und ich werde nicht reagieren. Weder heute noch morgen. Aber übermorgen. Betont sachlich. Wir werden sehen, was kommt. Aber ich weiss, die nächste (und übernächste) Zeit (und die danach wohl auch) wird nicht lustig werden.
Ich sammelte das Kind ein, fuhr heim und traf dort das große Kind. Wir verabredeten, dass ich sie zum Klainettenunterricht fahren  und dann nach ihrem Einkaufszettel noch fehlende Schulsachen besorgen würde. Mitten drin klingelte die Tante bei meiner Mutter, die unter mir wohnt. Die war jedoch gar nicht da, also klingelte die Tante mit Kuchen bei uns. Ein spontanes KuchenKaffeeKränzchen mit ohne Zeit, wo mittendrin zumindest die Mutter auftauchte und das Ganze dann mit der Tante weiterführte. Die Kinder und ich fuhren in die Stadt, das große Kind klarinettete vor sich hin und ich wuselte kopflos durch einen chaotisch engen, unsortieren Schulbedarfsladen (merke: dort werden NUR noch Ranzen oder Rucksäcke gekauft. Am besten auf Bestellung!). Nassgeschwitzt war nach 30 Minunten fast alles besorgt. Die Kinder mussten noch Hager und Mager stürmen, um Gutscheine auf den Kopf zu hauen - was dem kleinen Kind leider nicht gelang, da ich mich vehement gegen den Einkauf von Modeschmuckschnickeldi aussprach. Das 12 jährige Kind erstand eine schwarze Skinny Stretch Hose in 170 und damit wird bald die Kinderabteilung passe sein. Dann galt es noch, den Drogeriemarkt zu durchstöbern nach drölfzig Kleinigkeiten für die Tochterfreundin zum Geburtstag. Die Kinder setzen sich danach lustlos ins Auto, während ich noch weitere Wichtigkeiten erledigte (Ofenkäse!!! (das geht trotz Kriegzustand zwischen FrauNebeL und Essen), Brötchen, Geldautomat, Buchhüllen). Viel zu spät ging es dann heim, wieder mit Lieblingslied in Dauerschleife. Dort dann das erneute Erklären des bestehenden Erbsachverhaltes mit der Mutter (ich erklärte nachmittags bereits), dem Gatten, den Kindern, die das alles im Moment mitbekommen, der Schwester am Telefon. Weiter dann das Sichten der Zettel aus der Schulpostmappe der Viertklässlerin mit viel zu kurzfristigen Terminen, das Weiterärgern mit oben bereits beschriebener mail Nummer drei und vier, Abendessen richten, vorher Spülmaschine räumen. Das große Kind habe ich heut nur mit Gute Nacht Kuß allein ins Bett verabschiedet, das kleine wird noch vom Gatten einschlafbegleitet (inwzwischen schläft er sicher auch). Ich blogge, trinke den letzten Martini, pfeiffe auf Medikamente besser mit ohne Alkohol und überlege, ob ich mir die Nacht nicht direkt besser mit Nähen um die Ohren schlagen soll als halbwach oder monsterträumend hier rumzuliegen. Aber erst muss ich wohl noch 4 Schulbücher einbinden. Mit so blöder, widerspenstiger Folie - weil fertige Hüllen waren selbtredend alle ausverkauft oder doof.
Irgendwann mitten am Tag war ich kurz davor, die im Raum stehende AU abzurufen, die mir der Psychiater bereits zwei mal wärmstens empfahl - die ich aber dankend ablehnte. Er entließ mich zuletzt mit den Worten: "für ne Auszeit rufen Sie nur an, schick ich sofort zu."  Ich rief nicht an.

Krönchen richten, geht gleich wieder.

Montag, 4. September 2017

Reden. Oder nicht.



Reden über die Depression. Das ist bei mir schon oft ein Ausschlusskriterium an sich. Denn: wenn es schlimm ist, kann ich nicht reden. Dann habe ich keine Worte. Dann formt sich in meinem Hirn eine zähe, zusammenklebrige schwarzgraue Masse, mit der ich um jedes einzelne gesprochene Wort zu diesem Thema ringen muss. Ein einzelnes „Es geht mir nicht gut“ ist schon schwierig – wenn auch in all den Jahren hier und da leichter geworden. Aber prinzipiell muss ich auch das hart aus der Matscheklebermasse rauskämpfen. Und dieser einzelne Satz beschreibt eigentlichnur ein großes „Reingarnichts“. Er steht in einem ungefüllten Raum des Nicht-gut-gehens, das in jedem solch unglaubliche Facetten haben kann, dass dieser Satz einzeln da stehend eigentlich gar keine Daseinsberechtigung haben dürfte. De facto jedoch kommt es doch an so vielen Stellen überhaupt gar nicht erst soweit, dass dieser Raum im Gegenüber je mit Bildern, Ereignissen oder Gefühlen gefüllt werden könnte. Denn so oft führt schon diese Aussage zum Abbruch des Gespräches an sich. „Oh, das ist schade. Bis dann.“ Ende. Und wenn an der Stelle ich mich schon mit diesen wenigen, absolut indeskriptiven Worten mit meiner Matschekleberei im Hirn so sehr abgemüht habe – schweige beim nächsten Mal wohl wieder. Viel zu viel Anstrengung für nichts, außer vielleicht Enttäuschung. All die Jahre habe ich genau das wieder und wieder ähnlich erlebt. In den Jahren, in denen ich nicht wusste, was das in mir überhaupt ist. In den Jahren, in denen ich realisierte, dass ich psychisch krank bin. In den Jahren dazwischen. In den Jahren, in denen ich Namen für all das lernte. Die Andersartigkeit, mit der man mit Depression (und anderem) lebt, findet keinen Raum in dieser Gesellschaft, so wie selten Andersartigkeit Raum findet. Allenfalls Nischen. Aber die muss man erst mal finden....
Wenn ich aber wie gesagt, weit unten bin, depressiv bin, im Nebel versinke, hat mein Mund keine Worte. Ich glaube, manch einer mag mir da widersprechen, jedoch empfinde ich die meisten bisher geführten - sehr kurzen - Gespräche darüber als oberflächiges Kratzen an etwas, das tief geht, viel viel tiefer. Und wirkliche lange Gespräche habe ich mit Menschen aus meinem realen Leben wohl noch nie face to face geführt.
Wenn ich aber Glück habe in diesen Zeiten, dann kann ich schreiben. Dann sprudeln die Worte aus meinen Fingern oder meiner Hand nur so aufs Papier, als wären sie das Lösungsmittel für die sich verdichtende klebrige Masse der unaussprechlichen Worte in meinem Kopf. Ich kann den Raum, den ein „mir geht es nicht gut“ aufploppen lässt, füllen mit Bildern, Stimmungen, Gefühlen. Mit Ängsten und Bedrohlichkeiten, mit Leere, mit NebeL. Und so auch mit meinem LebeN in dem Moment, in den Zeiten. Ich kann spürbar werden lassen, was in mir ist. Das gelingt mir nicht immer. Aber immer wieder schon. Schon lange Jahre. Mal lyrisch, mal im Fließtext. Mal zusammenhangslos und mal fein säuberlich geordnet, als könnte ich mich innerlich durch das Schreiben selber analysieren und ein Stück weit selber nachvollziehen, was da gerade eigentlich passiert, dessen ich mir zuvor wenig bewusst war. Sehr oft ist mein Schreiben wohl genau dies. Ein Bewusstsein für mich in dem Moment, aber ich verstehe immer erst, wenn ich all dies später lese. Und bin wohl, seit ich schreibe schon, darüber erstaunt, was ich da eigentlich zu tun vermag. Ich staune über die Worte, die ich dann finde. Ich staune über mich. Und ganz manchmal mag ich das Depressionistentum dann sogar ein klein wenig, denn wenn das nicht wäre, wäre ich gar nicht in der Lage solche schweren, bedeutsamen, tiefsinnigen, tragenden Texte zu schreiben. Der Preis ist aber definitiv ein verdammt hoher. Denn auch wenn ich schreiben kann – so ist da noch lange kein Adressat. Und bisher gab es auch diese in meinem realen Leben nicht. Oder kaum. Vor 1,2 Jahren war ich spontan auf einer Lesung, auf dem im Schneeballprinzip selbst verfasste lyrische Texte gelesen wurden. Und ich las zwei oder drei von den Meinen und bekam gute Rückmeldungen. Aber – fast niemand kannte mich und der Kontakt zu denen, die ich kannte, ist ein sehr loser. Den ein oder anderen Text las eine Freundin. Und es war okay. Jedoch ist diese selber betroffen und somit im Thema. Sie verstand. Aber auch hier – der Kontakt ist eng, aber nur sporadisch. Der einzige Raum, in dem mein Schreiben einen Platz findet ist der geschützte Raum bei meiner Therapeutin. Und manchmal findet das Geschreibsel seinen Platz in der vitruellen Welt – die sich mit meiner realen jedoch kaum überlappt.
Ich empfinde es weiterhin so, dass da draußen kein Raum ist für Gedanken-, Gefühls-, und Wahrnehmungs-verirrte Menschen wie mich, die andererseits so „normal“ sind. Dabei weiß ich doch, dass ich nicht alleine bin, dass da so viele sind, die manches von dem kennen, das mich selber bewegt oder lähmt oder gefangen hält oder am Leben hindert. Warum also ist da immer dieses Schweigen? Ich mag gern ermutigen, zu reden. Weil ich finde, dass psychische Erkrankung wie vieles andere einen Raum in der Welt haben muss und nicht totgeschwiegen werden soll. Nichts verdient ein betretenes Wegschauen. Oder ein irritiertes Nicken und bloß schnell weitergehen. Drüber reden ist jedoch auch eine enorme Aufgabe für die meisten Betroffenen und halt nicht „mal eben so“ zu bewerkstelligen. Ich habe hier zumindest meinen Erklärungsversuch, warum ich das kaum kann, dieses Reden.

Sonntag, 27. August 2017

Gedankenkarusselvernebelungen

So Gedankenrotationsstürme haben durchaus die Möglichkeit, meinen Körperhaushalt  völlig aus den Schuhen zu schiessen. Einmal innerlich hochdrehen, während ich noch erfolglos Stop hinterherbrülle, und dann ungeachtet meiner brüllenden Unmutsbezeugung dennoch genötigt werde, vom gemütlichen 70er Ruhepuls mit Anlauf auf die 120 zu springen und dann fröhlich im Kreise in Rage denkenunddenkenunddenken. Das denkt sich so schnell, dass ich nichtmal mit der inhaltlichen Erfassung hinterherkomme und auch das sinnlose Dauerschreiben hat sich bereits verabschiedet. Ich kann halt kein Steno, sonst würds wohl noch gehen. Nicht selten denken sich die Gedanken von selber, ich habe keinerlei Mitbestimmungsrecht, geschweige denn Handhabe, da jetzt mal einen Riegel vorzuschieben oder irgendetwas irgendwohin zu ordnen. Es denkt mich, ob ich will oder nicht, Und mir schwindelt. Und ich werde wütig, und manchmal wird mir auch einfach schlecht. Beides vielleicht auch vor allem ob der Tatsache, dass irgendwer sonst die Zügel in der Hand zu halten scheint, weil mir keiner dieser Gedanken in irgendeiner Form gehorchen will. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das sehr wohl ein Teil von mir sein – das Arsch hat sich aber ganz schon versteckt und abgeschottet und dreht da jetzt mal sein Ding. Dann bin ich wieder mal eine Gefangene meiner selbst, die keinen Plan hat, wie die Situation aufzulösen ist, außer dem von außen gesetzten Eingriff in irgendwelche synaptischen Vorgänge. Danach ist es zumindest ein wenig möglich, überhaupt mal ein kleines bisschen Ruhe zu finden, von innerer Ruhe, geschweige den Ausgeglichenheit jedoch keinerlei Rede. Und immerhin so ein klein wenig erträglichere, leisere Außenlebensgeräusche in Dauerbrüllschleife gibt es auch - die kreischen und brüllen halt sonst auch alles in mich rein, als wollte nur jedwedes Geräusch bitte danke als allerwichtigstes wahrgenommen werden..

Funktionieren gelingt weitestgehend – zumindest an manchen Stellen. Funktionieren ist allerdings auch das, was ich all die ganzen Jahre meinens Aufwachsens sowas von gelernt habe.  Allerdings auch hier momentan nur durch unterstützende Beeinflussung von Synapsen. (Sieht ja erfreulicherweise kaum einer, höchstens der, der etwas genauer guckt und Ahnung von der Materie hat). Viele normalerweise ruhebringende Möglichkeiten sind längst verloren, Lesen gelingt überhaupt nicht mehr, in der Badewanne hält es mich etwa 3 Minuten und beim Durchschauen durch einen Katalog schaff ich nicht mal ein Viertel. Und wenn ich gefragt würde, ob darin denn als erstes Küchen, Schlafzimmer- oder Wohnzimmermöbel kämen, müsste ich ehrlich gesagt passen : ich habe keine Ahnung.

Ich bin also derzeit – mal wieder – durchdrungener von NebeL als irgendwas anderem und habe sowas von die Schnauze voll, wieder einmal nach lichtvollen Ausgängen aus der ganzen Suppe zu suchen.

Bleibt mir aber wohl nix übrig.

Mittwoch, 23. August 2017

Verlieren

Ich esse nicht. Und schlafe kaum - oder bescheiden. Ich stecke alle Kraft und Energie ins Funktionieren, in meinen Job, in die Begleitung der etwas hilflos zurückgelassenen Mutter, in die Bürokratie, in die Kinder, in die Familie. In die Aufrechterhaltung der grundlegenden Dinge. Und eigentlich ist beim letzten Punkt, der ja vor all den anderen steht, schon nahezu alle Energie aufgebraucht, die ich habe (dabei erledige ich den Teil des Jobs nicht mal gut). In Ermangelung irgendwelcher Alternativen jedoch stehe ich auf und mache weiter. Gebe das Innen irgendwo ab, lasse das Außen regieren, und das macht weiter. Und weiter. Und der Rest verliert sich im Dunkel.

Zurück - Dankbarkeit

Mehr als zwölf Jahre ist das große Kind bei uns. Zwölf Jahre. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte sie bisher mit uns. Und begann nach und nach, die Welt zu entdecken. In kleinen, sich langsam ausdehnenden Kreisen.
Die erste Fahrt weit fort von uns war eine Klassenreise nach England inklusive eines Besuches in London in diesem Juni. Kurz vorher - Terror in der Hauptstadt. Bedenken in den Kreisen der Klasse, Bedenken auch bei uns. Natürlich fuhr sie dennoch einen Tag nach London. Sie soll doch die Welt entdecken! Sich nicht verstecken vor dem, was sein könnte. Immer und überall. Dennoch war ich froh, als sie nach knapp einer Woche wohlbehalten zurück war.
Nun war sie mit der Familie ihrer Freundin fort. Drei Wochen in Nordspanien, ich sah sie zuletzt am 2. August. Letzte Woche dann ein Anruf von ihr:
"Sag Mama, hier war ein Terroranschlag, aber uns geht es gut" sagte sie zu ihrer Schwester, weil ich gerade Auto fuhr. "Alles klar, ich gehe eben in die Apotheke" - es war kurz vor Ladenschluss - "grüß schön" sprach ich zum kleineren Kind. Und erst in der Apotheke kam in meinem Gehirn überhaupt an, was die Große mir gerade hatte ausrichten lassen.
Barcelona. Sie war in Barcelona. 
Ohne ein "Guten Tag" fragte ich die Apothekerinnen, ob ihnen etwas bekannt sei von einem Terroranschlag in Barcelona. Und die Damen schauten nach einer ersten Verwunderung ob dieser Frage ins Internet. Terror in Barcelona.
Meinem Kind ging es gut. Sie saß zum Zeitpunkt des Telefonates in einem fastfood Restaurant und freute sich mit ihrer Freundin, die unter Zöliakie leidet, dass es dort glutenfreie Burger gibt. Und sie hörten permanent Sirenen. 
Den Rest des Abends verbrachten sie damit, aus Barcelona heraus zu gelangen. Und wir verbrachten den Rest des Abends vor dem Fernseher. Einerseits krank vor Sorge. Andererseits entrückt in die Unwirklichkeit, gleichzeitig stets Nachrichten mit dem Kind austauschend. Irgendwo mitten in all diesen Straßensperren stand das Kind, das die meiste Zeit seines Lebens mit uns verbracht hatte und nun weit, weit weg war, an einem Ort, wo der Terror noch nicht gebannt schien. Und wir Eltern waren nicht mal bei ihr. Gegen Mitternacht eine Nachricht, dass sie im 1 1/2 Stunden entfernten Urlaubsort angekommen seien. Durchatmen.
Seit soeben ist sie wieder daheim. 
Sie hatten eine kleine Bootsfahrt gemacht an diesem Tag. Und liefen weniger als eine Stunde vor dem Attentat über eben dieses Stück der LasRamblas. Weniger als sechzig Minuten. 
Dankbar.
Und getroffen.
Und ohnmächtig.


Sie ist da, wo sie nun sein sollte. Gesund und wohlbehalten hier bei uns. 
Und sie wird weiter hinausziehen in die Welt, egal wie erschüttert ich auch bin. Ich kann sie nicht festhalten. Ich kann sie nicht beschützen vor der Welt - und will es eigentlich auch gar nicht, weil sie doch lernen muss, in ebendieser zu leben.
Und dennoch ist da neben dieser unendlichen Dankbarkeit eine fast ebenso große lähmende Betroffenheit. 

Dienstag, 22. August 2017

Nienienie

Hier ist nie Ruhe. Nie. Es existiert derzeit in meinem Leben kein einziger klitzekleiner Rückzugsort. Weder mein Zuhause, noch meine Wohnung - da ist nicht mal ein klitzekleines verborgenes Zimmer für mich. Das ist scheisse. Oberscheisse. Egal wo ich hingehe - mein Leben ist nur funktionieren. Überall will jeder ganz genau nur das von mir. Ich habe nicht mal eine Chance, irgendwo nicht zu funktionieren, irgendwo Ruhe zu finden. Ich bin verdammtnochmal echt am Arsch. Das Leben kann mich mal.




Ich beantrage Asyl, damit mich zumindest zeitweise keiner der hier lebenden Familienmitglieder findet. Couch und Decke reichen bittedanke.

Sonntag, 20. August 2017

Es rattert.

Die Welt ist zu laut. Ständig. Als hätte jemand den Lautstärkeregler nah seines Anschlages gedreht und dort eingefroren. Es ist zu hell, alles, nur wenn es bereits dunkel geworden ist, findet der Sehsinn ein wenig Entspannung - bis das Licht angeht. Bewegungen erscheinen mir viel zu schnell, (Mit)Autofahren ist eine Qual, weil meine Wahrnehmung gar nicht so schnell hinterherkommt, wie die Welt an mir vorbeifliegt. Schließe ich die Augen, fühle ich ebendies, ohne jedoch die  Bilder dazu wahrzunehmen - das Auto bewegt mich, aber das Körpergefühl kann dieser Bewegung nicht schnell genug folgen. Alle Sinne spielen mir einen Streich. Nichts ist mehr passend, die Wahrnehmung ist überfordert und ver-rückt - überall. Es gelingt mir nicht, zu filtern, damit alles sich wieder auf ein erträgliches Maß reduzieren lässt.
Mein Innen scheint - auch wenn mein Körper mal schläft - stets wach und sendet nonstop Bilder Bilder, Bilder. Kein Stillstand. Wenn ich schlafe, wache ich genauso fertig und erschöpft auf, wie ich auch eingeschlafen bin. 
Ich atme und habe stets das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Alles ist mir schwer. 
In mir rattert es permament, ein Geratter wie es durch das Bedienen einer dieser ganz alten Schreibmaschinen verursacht wird. Laut und durchdringend. In einer Tour - und ich habe fast keinen Einfluß darauf. Lediglich wenn ich etwas tue, körperlich, mit meinen Händen. Nähen, Möbel bauen. Immer machenmachenmachen. Irgendwann aber ist das Machen aufgebraucht, ich komplett durchgeschwitzt und körperlich einfach fertig, und dann lässt es sich wiederum nicht stoppen. Und rattert und rattert und rattert.

Dekompensationsmaßnahmen

Maßnahmen gegen drohende psychiatrische Dekompensation können durchaus kreative Ergebnisse haben.


So das Einschulungskleid für die Tochter der langjährigen Freundin. Muss nun nur noch passen.

Montag, 14. August 2017

Grad so


Sich entordnendes intrinsisches Gedankentum steht im Kontrast zur äußeren Fassade. Innen und Außen entfernen sich voneinander und die inneren, nicht verbalisierbaren sondern nur der Verschriftlichung zugänglichen Gedanken entwickeln eine Eigendynamik, die das Außen nach und nach zu lähmen vermag. Es fühlt sich nicht mehr an wie von Einem gesteuert - mein Außen und Innen grenzen sich voneinander ab und werden eigenständig, nicht mehr zwei Seiten von einem sondern einfach zwei.
Deren Coexistenz wechselt in der Verhaltensweise zwischen einander entgegensetztem Kampf und zeitweiliger Führungsübernahme. Wenn das Außen die Führung greifen kann, dämmt es das Innen ein, die Entordnung wird gelenkt und in ihre Schranken verwiesen. Fällt jedoch die Notwendigkeit weg, dem Fassadentum die Führung zu überlassen, beginnt das Innen an den Ufern zu lecken und lässt den Gedankenfluss sich ausbreiten ins Uferlose - bis das Außen wieder in der Lage ist (oder die Notwendigkeit, funktionieren zu müssen besteht), Einhalt zu gebieten.
Und mittendrin kraftlos ein Ich, das nicht mehr weiß, welchem Teil es nähersteht. Ein Ich, das nicht mehr weiß, woher es all die Kraft nehmen soll, sowohl die inneren Kämpfe, deren Kontrollmöglichkeiten durch es zumindest auf einer Seite nur noch minimal zu sein scheinen, auszuhalten, als auch immer wieder dem Außen alles erdenklich Mögliche zuzuspielen, weil so unglaublich viele Verantwortlichkeiten in seiner Hand liegen. Ein Ich, das von weiter fort dieses Durcheinander betrachtet und eigentlich nur ein wenig Ruhe möchte.

Sonntag, 13. August 2017

Nichts

Drückende Gedankenschwere in der Düsternis, angefüllt mit aneinandergereihten Siinnlosigkeiten, die mit wenig Bezug das Bewustsein durchstreifen ohne etwas zu bewegen ausser sich selbst. Sie erlauben keinen Zugriff auf Stille, keine Möglichkeit, einzutauchen in die Ruhe, die ein Stück weit Erholung bringen könnte. Stets ist in mir steuerungresistente innere Rastlosigkeit, die Kraft raubend sich ausbreitet. Ich bin erschöpft. Und wenn sich Raum auftut, in irgendeiner Form in Ansätzen überhaupt nach Wegen suchen zu können, so zeigt sich das absolute innere Dilemma, keine Chance zu haben, mch zu kümmern. Denn auch wenn ich weiß, was gerade wichtig wäre, bin ich gefangen im System der Verantwortlichkeiten in erster Linie für Andere. Gefangene in der Schleife der erwarteten Funktionalität des eigenen Seins, gefangen nicht zuletzt in der Schleife der Inszenierung des eigenen Selbst. Und so kriechen Rastlosigkeit und Schwere einerseits, Leere und Verzweiflung andererseits in jeden Teil meiner Hülle, weil ihnen das geistige Sein nicht mehr reicht und schmerzen körperlich. Die Glieder sind schwer, und ich habe Mühe sie zu halten. Selbst das Offenhalten der Augen verbraucht mehr Energie, als ich glaube zu haben. Ich gleite tiefer hinab in die Dunkelheit ohne notwendige Ruhe zu finden, ohne Möglichkeiten, Kraft zu tanken, da selbst die Dinge, die das Potential besäßen, mir ein Stück weiterzuhelfen, derartig viel Energie und Kraftaufwand erfordern, dass der Nutzen letzlich fast negativer Natur ist. Da ist nicht mal Raum zu trauern, weil alles in mir bereits angefüllt ist mit der bloßen Bewältigung der alltäglichen Grundlegenheiten. Ich verliere mich selber und bin nicht in der Lage, mich zu halten auf Dauer. Ich weiss, dass ich so nicht lange mehr weitermachen kann. Alternativen jedoch sehe ich nicht, Ideen habe ich keine und versinke so resigniert und kraftlos im NebeL. Bis der Alltag ein weiteres Funktionieren erfordert und ich weitermache. Unterm Strich bin ich derzeit zu angefüllt mit der Notwendigkeit, für Andere zu funktionieren und dabei selber überhaupt zu überleben, dass für mich nichts weiter mehr übrig bleibt als nichts.

Donnerstag, 10. August 2017

Vorbabend

Es ist der Vorabend der Bestattung meines Vaters.
Ich sitze in der Nähe der Kieler Förde bei milden Temperaturen mitten in der Nacht auf dem Balkon. Wir sind zu neunt angereist. Die Schwesterfamilie mit einem Kind und wir mit einem Kind sowie zwei Tanten. Die beiden anderen Kinder sind in den Ferien mit Freunden und haben selber so entschieden. Wir mussten ein paar Hundert Kilometer hierher fahren. 
Kurz vor seinem Tod sprach ich es offensiv an, das Thema der Bestattung und erzählte, dass es die Möglichkeit gäbe, an einem seiner Herzensorte eine Seebestattung durchzuführen. Er war gleich einverstanden und zufrieden genau damit. Es war rund, auch weil seine Frau, meine Mutter, gleich ebenso sagte, dass sie sich genau dasselbe für sich wünsche. 
Keiner von uns ahnte, dass er zwei Tage nach diesem Gespäch bereits tot sein würde.
Kurz vorher wusste er es möglicherweise. Aber er war ein tapferer  Mann, der das meiste für sich selber trug.
Ich erwähnte bereits, dass ich genau weiss, dass er stolz war auf mich. Und genau dies hörte ich heute nochmal ganz konkret von der Schwester, der er dezidiert sagte,was ich bereits in ihm gelesen hatte, zwischen den Zeilen spürte und mir aus konkreten Momenten zusamenfühlte.
Es ist besonders, zu wissen, wie stolz ein Elternteil, ein gewähltes Elternteil war und vielleicht auch ist. Ein Elternteil, das mich jahrelang von außen durch dunkelste Zeiten geleitete, wenn ich es denn zuließ, ein Elternteil, das immer da war, wenn ich es einforderte, ein Elternteil, das in die Rolle des Vaters hininwuchs, auch wenn es gar nicht mein Vater war. Er war ein besonderer Mensch - so wie ich glaube, dass ein jeder ein so besonderer Mensch sein kann. Aber er war ein besonderer Mensch für mich. Mit all seinen Macken und Fehlern, aber eben auch mit all seiner Liebe, Wertschätzung und Loyalität, die nur ein Vater seinen Kindern entgegenbringen kann. Mir hat er ebendies entgegengebracht und dafür bin ich sehr dankbar.
Morgen werden wir mit dem Schiff hinausfahren auf die Kieler Förde und ihn an einem seiner Herzensplätze gehen lassen. Aber in meinem Herzen wird er bleiben voller Dankbarkeit und voller Wundersamkeit über all das, was er war, ist und bleibt.

Sonntag, 6. August 2017

WMDEDGT - August 2017

Frau Brüllen fragt an jedem fünften des Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?"

Ich wache um acht Uhr herum, 10 Minuten vor dem Weckerklingeln, auf. Neben mir schlummern HerrNebeL und das kleinere Kindelein. Ich beschliesse, mich auch nochmal anzukuscheln und die zehn Minuten auszukosten. Ein blöder Fehler, weil ich nochmal richtig einschlafe und zum Weckerklingeln dann viel zu müde zum Aufstehen bin... Ich stehe dennoch auf und mache Kaffee. Die Wecker Wiederholung lasse ich an - damit auch die beiden anderen wachwerden - denn keiner reagiert wirklich auf meine Weckversuche. Selbst auf die Aussage zum kleineren Kindelein, dass sie nun sofort ein Eis essen könne, weil ich den Kühlschrank abtauen muss, kommt kein verlässliches Aufwachen. Lediglich ein halbwaches Nicken.... Gegen neun stehen die beiden dann doch auf. Zwischenzeitlich fange ich mit dem Abtauen des Kühlschrankes an - heute steht am Vormittag die Endreinigung des seit drei Wochen bewohnten Ferienhauses an. Ganz sicherlich niemals etwas, worum ich mich reisse - aber meist ergibt es sich, dass die Vermieter keine Endreinigung anbieten - und so müssen wir dann eben... Der Vormittag zieht ich hin mit Abtauen, Staubwischen, Staubsaugen, Böden wischen, Auto und Anhänger packen, weiter putzen, duschen, Reste einpacken und Bad putzen. Mit so einer unglaublich nervigen glasklaren Duschabtrennung, auf der man jede Schliere sieht.... Irgendwann dazwischen kommt eine Nachricht vom grösseren Kindelein, dass sie mit der Freundinfamilie nun aus Lyon weiterfährt nach Nordspanien, wo sie sie nächsten 2 Wochen verbringen wird. 
Gegen Mittag fahren wir - mit wirklich wenig Benzin im Tank los. Leider vergass ich, dass wir mit dem Anhänger einen Umweg über eine andere Brücke, die über eine Gracht führt, nehmen müssen und noch deutlich mehr Kilometer bis zur Tankstelle zurückzulegen sind als die eigentlichen zwei Kilometer. Aber alles geht gut. Nach dem Tanken fahren wir nochmal an den Strand und holen das verpasste Frühstück am Strandpavillion in der knalligen Sonne nach. 


 
Erst gegen vier Uhr nachmittags fahren wir nach ein paar Schritten am Strand und langen Blicken in die Wellen los nach Hause. Es gibt seit vielen Jahren obligatorsche Kinderfotos - entweder zum Strand hin oder zurück laufend von hinten. Das entstand 2006, als wir das große Mädchen zum ersten Mal mit einem Entenrucksack voller Sandspielzeug auf dem Rücken, gerade laufen könnend, fotografierten und das Motiv  alles so wunderbar fanden. Es folgten viele weitere, die meisten davon zierten den jeweiligen Jahreskalender. Und so knippse ich auch heute schnell noch ein solches - zumindest von einem Kind - mit dem Handy, weil ich gar nicht weiss, ob der fotografierende HerrNebeL (so mit Spegelrelex und so) dieses Jahre eines gemacht hat. Und als ich mir das Foto ansehe, fällt mir auf, dass das kleine Kindelein so gar kein kleines Kindelein mehr ist...



Ein wirklicher Lichtblick zu unseren sonstigen Jahresurlaubsreisen ist die deutlich kürzere Fahrt... Nur  etwa 310 km trennen uns von daheim. Kurz hinter der Grenze machen wir einen kleinen Kaffee und Getränke Stopp beim goldenen M und das Kindelein darf sich über ein pinkes Aktionsglas freuen - es war das allerletzte und da mich der Kuchen so anlacht (das "Frühstück" war ein herzhafter Speckpfannekuchen gewesen) gibts im Mc Cafe zum Kaffee Kuchen für mich und das Glas für sie dazu. Gegen zwanzig Uhr (wir fahren mit Anhänger und haben somit eine entspannte Reisegeschwindigkeit) parken wir auf dem hiesigen Supermarktparkplatz. Das Kindelein geht schonmal zu Fuss heim, während ich einkaufe (und das geplante Abendessen vergesse zu kaufen) und Herr NebeL Auto und Anhänger bewacht. In Wahrheit war er vermutlich nur zu faul zum Einkaufen. Ich mache mir nämlich gar keine Sorgen um unseren Anhänger. Nach der Ankunft zu Hause begrüssen wir erst meine Mutter und laden danach das Auto aus. Wir quatschen ein wenig, ich lasse mir vom Kindelein immer wieder den Spielstand des BVB-FCB Fußballspiels durchgeben und Herr NebeL bringt den von einem Bekannten geliehenen Anhänger zurück.
Die zweite Halbzeit schaue ich in unserer Wohnung, während das Kindelein in der Zwischenzeit die angekommenen Pakete auspackt. Dummerweise vergaß ich, dass ein Weihnachtsgeshenk für sie dabei ist. Irgendwie scheint das Gedächtnis gerade etwas löchrig... So freut sie sich und verspricht, das Gesehene natürlich schnell wieder zu vergessen. Ich ärgere mich über den unglücklichen Ausgang des Supercups für den BVB und beginne, alle Betten zu beziehen. Das große Kind schickt dann irgendwann eine Whatsapp, dass sie am Ferienhaus in Spanien angekommen ist. Ich sichte noch die angefallene Post, schüttele den Kopf über einen Brief der Krankenkasse des Vaters, die sich sehr darüber freuen, dass ich den Vater pflege. Verfasst wurde das Schreiben erst nach seinem Tod, der dem Unternehmen auch schon beaknnt war. Aber nu, Bürokratiemühlen eben.... Dann tippe ich den Tagebucheintrag und werde gleich noch unter die Dusche verschwinden, während HerrNebeL das Kind ins Bett bringt. Ich vermute gegen eins werde ich fertig sein, um ins Bett zu gehen und auf einen langen, erholsamen Schlaf hoffen. Ich fürchte jedoch, dass das, was in den letzen Wochen Urlaub nicht funktioniert hat, auch hier nicht wirklich besser werden wird. Vielleicht, wenn ich nach drei Tagen Arbeit wieder ans Meer fahre - diesmal an die Ostsee - und die Seebestattung des Vaters dann am Wochenende hinter uns liegen wird. Vielleicht schlafe ich dann wieder. 

Weitere Tagebuchblogger von heute sind hier zu finden

Mittwoch, 2. August 2017

Morgentour

Nach einer neuerlichen recht schlaflosen Nacht, die bereits um halb fünf endete, schwang ich mich um sechs aufs Fahrrad und radelte hinaus aus dem hiesigen Örtchen in Nordholland. Zwischen den Wolken liess sich kurz darauf die gerade aufgegangene Sonne blicken. 

Ich visierte den ein oder anderen Geocache in der Nähe an, traf dabei auf einige Arbeiter  und manchen Radfahrer. Sonst begegneten mir vorwiegend Schafe, die frech ihren Kopf durch die Zäune an den Wegen steckten und das immer bessere Gras auf der anderen Seite zu erreichen versuchten. Enten gab es auch immer wieder in den schmalen Grachten oder kleinen Seen. An einem dieser Seen durfte ich - dank Radlerhose nacktbeinig - durch die Brennesseln streifen auf der Suche nach einer Dose. Schon verrückt, was ich so alles tue, nur um mein Stempelchen auf die Seiten eines Logbuches in einer Art Tupperdose zu drücken...
Tatsächlich zieht mich das oft raus in die Natur - ein Spaziergang oder eine Radtour allein reizen mich meist wenig, ich brauche immer irgendein Ziel, was eben weder das Ankommen am Ende noch der Weg ansich ist - die mir das Heben der Dosen dagegen tatsächlich geben. Ebenso spornt das auch die Kinder an, wenn sie somit das Gefühl haben, an einem nächsten Punkt "anzukommen". Zudem macht das Suchen meist Spaß uind immer wieder finden sich liebevoll gestaltete Verstecke. Heut aber waren nur mein kleines Rad und ich unterwegs - und fanden bei der Heimkehr ins Ferienhaus den Rest der Familie noch schlafend vor ...


Sonntag, 30. Juli 2017

Vom Funktionieren

Ich funktioniere. Ich funktioniere meistens. Ich funktioniere, wenn es mir nicht so  besonders gut geht. Wenn ich mal einen schlechtern Tag habe oder mies gelaunt bin. So, wie wir das alle tun. Die Nerven sind dann zumeist daheim ein wenig gespannt, aber wer kennt das nicht. 
Ich funktioniere jedoch auch, wenn das Dunkel aufzieht. Wenn mir die Luft zum Atmen wegbleibt, wenn der Schlaf kein erholsamer mehr ist, wenn ich denn überhaupt schlafen kann. Wenn die Träume verrückt spielen, und ich von einem Alptraum in den nächsten schlittere. Nicht eine Nacht, sondern nahezu jede. Ich funktioniere, wenn die Leere Besitz von mir ergreift, wenn sich mein Sein vernebelt. Wenn die Geräusche zu laut sind, das Licht zu hell. Wenn es mühsam ist, einem Gespräch zu folgen, weil sich die Konzentration so sehr auf die basics des eigentlichen Seins konzentrieren muss, dass kaum noch Platz für Anderes bleibt. Ich funktioniere, wenn mir die Glieder schwer sind vor der Last des Alltags. Ich funktioniere, wenn meine Gedanken nicht stillstehen können und mich schier in den Wahnsinntreiben und nur noch das stille Zählen von Dingen ein wenig Rast in das Gedanken-Karussell bringt. Ich funktioniere, wenn ich innerlich längst zusammengekauert in der Ecke hocke und mich nach Beruhigung sehnend vor- und zurückwiege. Ich funktioniere einfach weiter und putze die Fassade. Wer mich nicht näher kennt, bemerkt das nicht mal. Und die, die mich kennen, bemerken es oft nur dann, wenn sie genau hinschauen. 
Das Funktionieren ist so ein Ding mit zwei Seiten. Ich funktioniere immer lange. Viel zu lange. Denn in den meisten Fällen stürze ich danach tief, sicherlich tiefer, als ich gestürzt wäre, wenn ich denn früher innegehalten und mich gekümmert hätte. Oder mich versucht hätte zu kümmern. Oder in vielen Fällen Hilfe in Anspruch genommen hätte. Letzteres ist ein Punkt, den ich möglichst lange hinauszögern will. Immer. Denn es liegt mir gar nicht, überhaupt Hilfe zu benötigen, geschweige denn anzunehmen oder gar aktiv danach zu fragen. Ich möchte alles mit mir selber ausmachen, alles selber schaffen, niemandem zur Last fallen. Mich in schlimmen Zeiten niemandem zumuten. Und ich will mich gar nicht erst zeigen. Will nicht offenbaren, was denn unter dieser Fassade tatsächlich ist. Die Fassade ist nicht eine gänzlich falsche, die Fassade bin auch ich, sie gehört auch zu mir und meinen eigentlichen Empfindungen Aber in vielen Momenten ist sie eben nicht authentisch, weil es im Innen gerade ganz anders aussieht. 
Da sind aber auch Zeiten, in denen mich das Funktionieren und die Fassade hochhalten. Mir Struktur geben, mir einen geregelten, bekannten Alltag ermöglichen, der mir Sicherheit gibt, an dem ich mich entlanghangeln kann, wenn im Innen das Chaos tobt. Oder die Leere. Oder das Dunkel. Wenn mir der Nebel die Sicht nimmt, kenne ich mich in meinem Alltag so gut aus, dass ich ihn dennoch bewältigen kann. Und hier kommt die Crux - wo hört das "gute" Funktionieren auf, das Sicherheit gibt, und wo fängt das "schlechte" Funktionieren an, das mich weit über alle Grenzen treibt? Nach all den Jahren, in denen mich verschiedene, psychiatrisch titulierbare Seelenzustände eng begleiten, fällt es mir immer noch schwer, das herauszufinden. Es ist immer noch schwer, mich selber wahrzunehmen und zu bewerten in einer Depression, in dissoziativen Zuständen sowie Belastungszuständen, um eben dann die Formen des eigenen Funktionierens  voneinander abzugrenzen zu können.
Darüber hinaus drängt die eigene Situation mich oft dazu, auf jeden Fall zu funktioneren - ganz ab von meinem Berufsleben. Denn mein eigentlicher "Hauptjob" ist entfernt von einer Arbeitsunfähigkeit: 
Ich liebe es, Familie zu haben. Und mir ist nie etwas Schöneres passiert, als Mutter sein zu dürfen. Aber ich habe auch noch nie etwas Schwereres getragen. Auch in schlimmen Phasen muss es zu Hause weitergehen, muss es einen Alltag für die Kinder geben, muss ich als Mutter "da" sein, auch wenn ich gar nicht mehr kann. Das ist zumindest mein Anspruch an mich, und der ist ein Stück weit auch okay so. Aber irgendwann kommt auch hier wieder der Punkt, an dem ich vor der Frage stehe, ob das Funktionieren noch ein "gutes" und "tragbares" für mich ist, oder ob ich mit dem mir selber auferlegten Funktionieren-müssen alles nur noch verschlimmere. Dummerweise kam diese Frage bisher selten wirklich in solchen Situationen auf. Ich kann sie tatsächlich zumeist erst rückblickend reflektiert betrachten. Wobei es dann im Regelfall bereits zu spät ist. 

Das Funktionieren kann ein Segen sein, der mir den Kopf über Wasser hält. Und ein Fluch, weil es mich , den Kopf gut über wasser halten könnend, weit ins offene Meer treiben kann, bevor dann heimtückisch von unten der Strudel kommt, der mich doch in die Tiefe zieht. 

Immerhin weiss ich darum. Ich weiss sogar gut darum. Aber Wissen heisst nicht, dass ich in der Lage bin, dieses auch an mir selber anzuwenden. Es wird besser, von Mal zu Mal. Aber es erfordert ein ewiges Auf-der-Hut-sein, was wiederum immer auch ein Stück weit Energie kostet.

Und im Regelfall läuft all das unbemerkt ab von aussen - und das ist wohl einer der Gründe, weshalb so wenige Menschen auch nur annähernd einen Blick dafür haben, was es bedeutet, depressiv zu sein, psychisch krank zu sein. Denn so vieles passiert einfach im Verborgenen - unsichtbar für die Augen Anderer.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Eingeschlafen

Der Tod kam in der Nacht und ließ ihn ganz in Ruhe einschlafen. So, wie ich es angesichts der Erkrankung nicht zu hoffen gewagt hatte. Eigentlich hatte er zu Hause  sterben wollen, was leider nicht der Fall war. Ein, zwei Tage noch sollte er im Krankenahus bleiben. Und dann ist er dort gegangen, am frühen Morgen vor zehn Tagen. Neben der Trauer und Unwirklichkeit in der ich selber mich befand und  befinde, steht der Versuch des ehrlichen und pragmatischen Umgehens mit dem Tod, mit einem toten Körper, der Trauer und den Kindern. Das gemeinsame Anschauen von Särgen und Urnen, das Verabschieden. Dem Opa noch Dinge mit auf den Weg geben, ein Briefchen unter seine Decke von jedem von uns, vor allem den beiden Mädchen. Damit der Tod nicht ein in der Luft stehendes Etwas ist, sondern begreifbar. Sofern er denn überhaupt begreifbar sein kann - fällt es mir selber doch schwer, mich zu erinnern, dass er nicht mehr bei uns ist, dass das Zusammenleben zu Hause sich nun verändert. Sein Stuhl bleibt leer und ich weiss, wir alle werden liebevoll an ihn denken, wenn wir uns auf seinen Platz setzen. Ich bin dankbar für die Zeit. Dankbar, dass er mir Zeit geschenkt hat, dass er Zeit mit unseren Kindern hatte und sie mit ihm. Er war zwar ein alter Mann - aber dennoch ist der Zeitpunkt wohl niemals richtig, einen Menschen zu verlieren, auch wenn ich weiss, dass dieser ein Leben, ein langes Leben lang gelebt hat, so schmälert es doch nicht den Verlust des Menschen ansich. Ich weiss, dass er stolz auf mich war. Ein Stolz, der vor allem in den letzten Wochen noch gewachsen ist. Ich weiss, dass ich geliebt wurde. Und ich weiss um seine Wertschätzung. Das ist ein schönes Gefühl und nicht selbstverständlich, weil ich gar nicht seine Tochter war, sondern ihn erst mit 12 Jahren kennenlernte, und sich erst nach und nach eine Vater -Tochter Beziehung entwickelte. Endgültig Abschied nehmen werden wir in zwei Wochen an einem von ihm viel bereisten Ort in der Kieler Förde - der Ort, an dem wir neulich noch gemeinsam waren. Und es war gut so.

Montag, 24. Juli 2017

Inselliebe

Seit ich mit Herrn NebeL zusammen bin, gibt es genau ein einziges Urlaubsziel, an dem wir uns uneingeschränkt wohlfühlen. Einen Ort, wo wir ankommen und quasi sofort auf Ferienmodus gepolt sind. Dort ist genau das, was wir beide unter Urlaub verstehen - nämlich Ruhe. Es gibt wenige Menschen, wenige Geschäfte. Keinerlei Einkaufsstrassen. Keine Autobahn, wenig Verkehr. Es gibt leere Strandabschnitte, und wenn man an unserem Hausstrand drei Menschen trifft, dann ist es schon gut besucht. Auf einer 118 Quadratkilometer großen Fläche - etwa 2/3 unserer Heimatstadt, die 345.000 Einwohner hat - leben keine 2000 Menschen. Sicherlich gibt es viele Ferienhäuser, aber diese stehen zumeist weit voneinander entfernt und oft gut geschützt. Und in der Gegend, in der wir dann wohnen, bemerkt man keinen wahren Betrieb. An anderen Ecken bemerkt man das sicherlich deutlich mehr. Wir steigen aus dem Auto und oftmals nutzen wir es in den uns immer dort verbleibenden drei Wochen nicht. Wir radeln täglich, sind täglich am Strand, und einer von uns fährt wohl auch fast täglich ein paar Minuten, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Es gibt unendlich viel Heidekraut, was zumeist blüht, wenn wir da sind.



Einer unserer Lieblingsplätze ist die Hafenmole im Osten der Insel. Stunden verbringen wir hier, essen Fischfrikadellen oder Kekse, schauen den Seglern und Fischern beim Ein- und Auslaufen zu. Meistens leben die Schwiegereltern im Haus nebenan und wir treffen uns oft zum Kaffee oder Abendessen, was mal wir und mal sie zubereiten. Wir lesen und häkeln und malen und spielen. Jedes Jahr gehen wir an dieselben Plätze - die Salzsiedehütten, auf einen Hof in der Mitte der Insel zum Kerzenziehen, an das äußerste Südostende der Insel, auf den Spielplatz im Yachthafen zum Beispiel. Und jedes Jahr finden wir einen Ort, eine Stelle, die wir noch nicht kannten und die wir mögen. Die Sonne geht fast eine Stunde eher auf als daheim und die Nacht ist lange Zeit deutlich heller. Nur mitten drin ist es wirklich dunkel, und wenn es sternenklar ist, blinkt über uns ein prachtvoller Himmel - zudem auch oft mit einigen Sternschnuppen. Wir kennen das Haus, das Haus der Schwiegereltern und müssen uns auf nichts Ungewohntes einstellen. Genau das ist unser Ort, im dänischen Kattegat, die letzte Insel vor der Nord Ostsee Passage. Das ist der Ort, den ich verbinde mit 3 Wochen Erholungsurlaub im Sommer. Ein um die andere Woche im Jahr sind wir auch ganz woanders und urlauben anders, aber der Sommer, der gehört Læsø.







Donnerstag, 13. Juli 2017

Von Papieren und vom Handeln

Dinge wie Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachen, Betreuungsverfügungen und dergleichen lassen den Laien recht ratlos auf Papiere und Vordrucke blicken. Und zudem erledigen sie sich niche "eben so". Seit langem wird das Thema hier immer wieder angesprochen. Die Notwendigkeit. Immer wurde ihr zugestimmt. Passiert ist nichts. Es ist schwer, der Endlichkeit ins Auge zu sehen, erst recht, wenn man selber betroffen ist. Umso wichtiger jedoch die Vorsorge, dass im eigenen Sinne gehandelt wird. Auch dann, wenn man selber seine Wünsche nicht mehr zu vertreten in der Lage ist. Dazu aber muss geredet werden. Und der Mensch, der sowieso ungerne über sich redet, der Mensch, der sich in einer schweren Belastungssituation befindet hat damit sicherlich große Mühe. Eben solche Gespräceh dennoch von aussen zu forcieren ist nicht so einfach. Ich zumindest hatte immer das GEfühl, weit in die Persönlichkeitsrechte des Vaters vorzudringen, je näher ich mich an diese Dinge wagte. Ihn zu zwingen zu Dingen, die er lieber weit, weit fortschieben wollte. Das machte es mir nicht einfacher. Manche Wünsche kannte ich. Die meisten Wünsche vermutete ich. Aber dies hätte rechtnlich niemals auch nur den geringsten Bestand, da ich von Rechts wegen von dem Mann, den ich hier Vater nenne, einfach gar nichts bin. Um so wichtiger also waren gültige Papiere....
Heute ließ ich alle Bedenken und Vorbehalte dazu fallen. Er war gut drauf und mitten im Hier und Jetzt und ich besprach, erklärte und kreuzte auf Anweisung hin an. Pragmatisch, ehrlich und offen. Und wir konnten manche wichtigen Papiere ausfüllen. Wir besprachen seine und unsere Bestattungswünsche. Mittendrin half ich beim Aufstehen, beim Umlagern im Bett, beim Toilettengang. Völlig frei und selbstverständlich. Und er liess mich nicht nur gewähren sondern konnte all dies in Ruhe und Dankbarkeit und Selbstverständlichkeit annehmen. 
Die wohl beste Lösung, ihn gut zu versorgen, wäre die Inanspruchnahme von Pflegezeit - unbezahlten Urlaub vom Job, um ihn zu pflegen.  Dies ist aber nur möglich bei Angehörigen - was wir ja eben nciht voneinander sind. So hoffe ich, dass wir in der Lage sein werden, ihm dennoch seine Wünsche weitestgehend eben mit Hilfe der ambulanten palliativen Pflege zu ermöglichen, oder dies eben so lange es geht. 
Ich bin nah dran mit meinem Herzen. Aber ich bin eben auch ein Stück weit professionell. Kenne manchen Kniff und Trick und die richtige Bewegung. Medizinische Begriffe und Behandlungen sind mir nicht fremd. Hier und da mögen auch ein gutes Auge und eine realistische Einschätzung der Situation dazu kommen, wenn auch gewiss nicht immer. Aktiv sein und Dinge in diesem Bereich zu regeln, fällt mir nicht schwer. Ich bin die Handelnde. Aber ich lerne auch, zu deligieren, weil ich gar nicht alles alleine schaffen kann. Und es auch gar nicht will. Tatsächlich verzahnt es sich hier aber genau dadurch, dass ich beginne, die Anderen, die zumeist hilflos sich fragen, was sie tun können, zu versorgen mit Aufgaben. Und viel wichtiger dabei ist, dass es sich ergänzt und dadurch weit umfassender werden kann, als ich allein es leisten könnte. HerrNebeL findet, ich mache das alles verdammt gut, ich aber finde, WIR machen das alles wirklich ziemlich gut. nd ich hoffe, dass wir genau das gemeinsam durchhalten können. Bis zum Schluß.

Montag, 10. Juli 2017

Durcheinander

Der Alltag hier ist derzeit ein Durcheinander des steten Alltages - Arbeiten für HerrnNebeL und mich, Schulalltag und Freizeitaktivitäten der Kinder - beides mit allem Drum und Dran - gekoppelt mit der zunehmenden Hilfe- und Pflegebedürftigkeit meiner Eltern. In den letzten Wochen ging es in jeder freien Minute um die Feststellung des Bedarfes an Hilfe, Beantragung von Pflegegrad, Gespräche mit ambulanter Palliativpflege, Gesprächen mit Ärzten, den Eltern, dem Vater, der Mutter. Und efertig sind wir damit noch nicht... Es ging und geht um Ideenfindung, wie wir was organisieren müssen, wie wir wem von beiden helfen müssen. Wo wir Hilfe brauchen. Und wo wir Hilfen bekommen. Ein bürokratischer Aufwand sondergleichen. Zudem ist das Führen von Gesprächen mit Ärzten oder anderen Personen recht schwierig, wenn man selber im  Beruf steht und noch nach den Kindern schauen muss. Abends ist selten noch ein Verantwortlicher zugegen - selbstredend nicht. Irgendwann letzte Woche schrieb ich einfach einen Zettel mit der Anregung verschiedenster durchaus gravierende Dinge - die mein Vater nicht mehr besprechen konnte und meine Mutter leider weder verstand und zudem vergaß. Es ging um Schluckstörungen, um Morphine und parenterale Ernährung. Ich legte diesen also ins Krankenzimmer, erklärte mich dem Vater nochmals, dessen Wünsche dahingehend mir bekannt sind und nahm ihm das Versprechen ab, den Zettel einem verantwortlichen Arzt in die Hände zu drücken. Was er auch tat. Glücklicherweise kam kaum später meine Schwester dorthin und konnte nochmals das Ganze auch persönlich erklären. Und siehe da, endlich wurden Morphine angesetzt und bei Notwendigkeit der Wunsch der unterstützenden Ernährung aufgegriffen. Eine durchaus unkonventionelle Art der Arzt-Angehörigen Kommunikation, aber nun, einfach ist es eben einfach nicht. Und mir, uns war es wichtig, endlich eine weitestgehende Schmerzfreiheit zu erreichen. Kein totkranker Mensch sollte auch noch Schmerzen haben müssen, wenn dies eben abgewendet werden kann... Neben all der ganzen Organisation noch Tochter sein, begleiten, allen gerecht werden. Und neben der Krebsgeschichte noch die Demenz der Mutter tragen, Diagnostik anleiern - was das eine ist und auf den Weg gebracht - auch das Tragen des Alltags mit einem Menschen, der viele klare Momente hat, aber leider zunehmende Lückenmomente. Momente, die das tägliche Kontrollieren notwendig machen an vielen Stellen. Die Umrüstungen im Haus notwendig machen, um vorzusorgen. Vor allem aber - das Aushalten. 
Es ist schwer, auszuhalten, wie der Vater abbaut. Zu sehen, wie er Schmerzen hat, wie er sich verschluckt, wie er nichts mehr isst. Wie er kaum trinkt und eintrübt. Wie er völlig schläfrig weit, weit fort ist bei einem neuerlichen Infekt bei Leukopenie. Wie er immer mehr abwesende Momente hat. Wie er sich selber wundert, dass ihm einzelne Tage - Tage an denen es ihm schlecht geht - einfach verliert, obwohl er eigentlich kognitiv noch recht gut dabei ist. Langsam, aber dabei. Wie er nicht mehr gehen kann. Oder schreiben. Wie sehr es ihm weh tut, das nicht mehr zu schaffen. Wie er Hilfe braucht beim Aufstehen und Umsetzen. Auch, wie er überrascht ist, dass ich genau das kann - mein Arbeits-Ich ist der Familie ja fremd.
Schwer ist das, und weh tut es auch.
Aber viel schwerer auszuhalten sind die Gedankensprünge der Mutter. Das so sehr verlustig gegangene Kurzzeitgedächtnis. Das tagtägliche, stündliche, ja ewige Suchen von Irgendetwas.  Die kaputten Schallplattengespräche. Das Miterleben, wie sehr gewohnte, jahrelang gewohnte Tätigkeiten sich durchmischen, strukturlos werden und ihre Form verlieren. Das Umschlagen der Stimmung. Das Nicht-mehr Verstehen von Zusammenhängen und das gleichzeitige Durcheinanderbringen dessen, was sie verstanden hat. Fehlende zeitliche Orientierung. Störungen im Sprachverständnis. 
Das alles macht mir noch viel, viel mehr Mühe. 
Ich bin zudem aufgrund der räumlichen Nähe immer mittendrin. Da sind kaum noch Pausen für mich selber, keine Ruhe, keinerlei Abstand. Es zehrt, wenn auch das "da -sein" für beide selbstverständlich ist. Es ist schwer, geduldig zu bleiben, wenn auch bestimmt, aber eben geduldig mit ihr. Vor allem: es gibt keine Rast, nichts zum Auftanken. Alles, was es gibt, ist das Wissen, dass erstmal alles nur noch schlimmer werden wird, bevor das Ende kommt.

Mittwoch, 5. Juli 2017

WMDEDGT - Juli 2017

Gestern Abend erinnerte mich das große Kind bereits daran, dass ich heute wieder schreiben muss - und hatte somit die Tagebuchbloggerei von Frau Brüllen besser auf dem Schirm als ich :). Selbige fragt nämlich an jeden 5. des Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?"

Mein Tag startete netterweise mit einer durchgeschlafenen Nacht, wenn sie auch ein klein wenig zu kurz war. Das große Kind verließ wie jeden Wochentag als erste das Haus, um zum Bus zu gehen. HerrNebeL, das kleinere Mädchen und ich gingen gemeinsam zum Auto - ich machte mich heute auf den Weg zur Arbeit, HerrNebeL brachte vor seiner Arbeit erst das Mädchen in den Nachbarstadtteil zur Schule.
Bei der Arbeit angelangt, schmiss ich mich in die Arbeitskleidung (gar fürchterlich polyesterhaltige Poloshirts in blau und eine weiße, mit viel zu wenigen Taschen bestückte Hose), fuhr den Rechner hoch, checkte meinen Arbeitsplan und quatschte mit der Bürokollegin. Vor der Frühbesprechung auf Station begleitete ich die neue Kollegin  der Sprachtherapie, die am Montag erst begonnen hat, in die Wäscherei, um ihr neue Arbeitskleidung zu besorgen und alles zu zeigen.
Der Frühbesprechung wohnte heute die neue Oberärztin bei, die entgegen meiner Befürchtung bisher auch im somatischen Bereich fit zu sein scheint und zudem sehr nett und offen ist (und nur ein Jahr älter als ich. Aber ich sähe viiiel jünger aus, sagte die Kollegin der Ergotherapie. Nun ja, find ich jetzt nicht, aber ehrte mich dennoch). Nach der Frühbesprechung war der Plan, mich von einem Patienten und seiner Familie zu verabschieden - der war aber leider bereits abgereist, was mir so ein klein wenig den Morgen verdarb, weil ich mich gern persönlich verabschiedet hätte. Aber nun, so läuft das halt manchmal. ABer dass ein Pateint vor neun Uhr alles gepackt hat und abgeholt wird konnte ich nun auch nicht ahnen. Am Vormittag behandelte ich dann 7 Patienten, die alle mit Sprachstörungen nach Schlaganfall, Schädel Hirn Trauma oder einer Hypoxie zu kämpfen hatten. Zum Teil ging es darum, erst mal den Ist-Status zu erheben und eine genaue Diagnose zu stellen, zum Teil waren wir schon mitten drin in der Therapie. Zwischen Tür und Angel organisierte ich nach einem Anruf meiner Mutter noch die Einweisung meines Stiefvaters ins Krankenhaus - was recht genaue Handlungsanweisungen an meine Mutter beinhaltete, die zu konfus war, das alleine zu regeln. Glücklicherweise war meine Tante vor Ort, um ihr ein wenig unter die Arme zu greifen, sodass ich nicht gezwungen war, spontan Überstunden zu nehmen und alles selber vor Ort zu klären. Im günstigen Fall geht es nun nur um eine ausreichende Flüssigkeitssubstituierung und im schlechteren Fall wird man ihm möglicherweise noch eine Antibiose angedeihen lassen. Morgen werde ich das im Krankenhaus abklären.
Mittags hatte ich feines Essen - Reste vom Vortag. Eine Ingwer-Gemüse-Pfanne mit gehacktem Tofu und Reis. Entgegen meiner Gewohnheit keine Tütensuppe - die wurde nämlich aus dem Angebot des Supermarktes genommen, was  mich schon ein ums andere Mal etwas ratlos dort herumstehen ließ - sier erinnern sich vielleicht - FrauNebeL liebt Gewohnheiten :-). Am Nachmittag sollte ich eigentlich drei Patienten behandeln - eine Neuaufnahme bedurfte aber gar keiner sprachtherapeutischen Hilfe, was mir ein wenig Zeit zu zwei weiteren Telefonaten mit meinen eigenen Therapeutinnen verschaffte. Den dritten Patienten, der eigentlich im geschützten Bereich neu aufgenommen war - fand ich gar nicht erst. Was durchaus auch eine Kunst ist in einem Stationsteil, der eben verschlossen ist.... Der Kollege der Sporttherapie war mir offensichtlich zuvorgekommen (und hatte den Plan des Patienten nicht beachtet) und ihn mit zu einer Bewegungsgruppe genommen. Aufgrundessen suchte ich erst die in Frage kommenen Plätze IN der Klinik auf und begab mich dann ins Gelände UM die Klinik, um den Herrn zu suchen - leider erfolglos. So musste ich eine freundliche Nachricht an den Sportkollegen hinterlassen, nächstens besser die Therapiepläne ztu studieren ;-). Um kurz nach drei zog ich mich um, vergaß, meine Tasse zu spülen, was mir just beim Schreiben auffällt, räumte Materialien weg und wischte die Tische.
Um zwanzig nach drei saß ich im Auto und fuhr zur Schule des kleinen Kindes, um sie abzuholen. Eine Stunde später waren wir daheim und ich suchte diverse Krankenunterlagen zusammen, weil um 16:30 ein Termin mit einem Palliativ-Pflegedienst für meinen Vater anstand. Inzwischen benötigen wir hier zu Hause Hilfe für ihn bei diversen Dingen und aufgrund der Progredienz der Erkrankung wird dieser Hilfebedarf in naher Zukunft noch größer werden. Das Gespräch war sehr informativ und entlastend und die Entscheidung für diesen Pflegedienst ist auch in Abwesenheit des Stiefvaters - mit seinem Einverständnis - gefallen. Auf jeden Fall bedeutet das eine große Entlastung für mich in der Notwendigkeit, mich arg um die Eltern kümmern zu müssen.  Ein kleines Aufatmen.
Das große Kind briet Spiegeleier für alle, während HerrNebeL heimkam und ich mich noch mit meiner Schwester unterhielt, die ebenfalls beim Gespräch dabei war.  Die Familie NebeL aß zu Abend, während ich tippte und meine Geldbörse umräumte - heute kam nämlich eine neue, hübsche Börse für mich an, weil sich die alte in viele Einzelteile auflöst. In einer halben Stunde werde ich loisfahren und meine Freundin und Ex-Arbeitskollegin treffen, die bald für eine lange  Weile das Land verlässt, um in weiter Ferne auf einer Farm zu arbeiten. Sicherlich wird es dann heute Abend viel zu spät werden, aber ich bin mir sicher, dafür wirds schön  :-).

Weiter Tagebuchboggerein wie immer hier, bei Frau Brüllen.

Freitag, 30. Juni 2017

Lebens-Abschied

Neulich, am Meer.

 


Viele Eindrücke gesammelt habe ich. Viele Momente aufgesogen. Mich in manchen Momenten tränennah weggedreht in dem Wissen, dass es einige meiner letzten Eindrücke von ihm sein werden. Diese Eindrücke waren nicht mehr frei, sondern bereits geprägt vom deutlichen körperlichen Verfall, gezeichnet durch den Krebs. Noch einmal wollte er all das sehen, was er seit Jahren zu dieser Zeit sieht. Noch einmal ans Meer, noch einmal dieses große Segler Event als passionierter Segler von ganz nah anschauen.



Abschied. Seiner von der Welt, Stück für Stück. 
Und unserer von ihm.

Montag, 5. Juni 2017

WMDEDGT - Juni 2017

Frau Brüllen fragt jeden Fünften eines Monats "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? und ich mache gerne mit.

Dank Pfingstmontag durften heute alle ausschlafen. Um acht aber steht HerrNebeL auf, um sein Mountainbike und das des großen Mädchens fertig zu machen und auf den Träger zu packen, da sich beide heute mit einem Freund und dessen Sohn für eine Runde durch Wald und  Feld verabredet hatten. Nach und nach schlagen auch die Mädels im Wohn/Schlafzimmer auf und wir starten mit ungeordnetem Frühstück und Kaffee - heut ganz untypisch jeder so, wie er oder sie mag. Eigentlich sind wir ja bekennende Wochenend-Geimeinsam-Frühstücker. Gegen zehn machen sich die beiden auf den Weg in die bergische Nachbarstadt, während das kleinere Mädchen und ich daheim bleiben. Ich kümmere mich um Wäasche, Aufräumen, Saugen und Putzen der meisten Räume. Mittendrin meldet sich eine Freundin von der kleinen Tochter und fragt, ob sie mit zum Schwimmen käme. Ein halbes Stündchen später wird sie abgeholt, ich wusele weiter im Haushalt, gehe dann in Ruhe duschen und lege eine kleine Couch Runde ein. Dann kommen erst die beiden Radler wieder, kurz darauf die Schwimmerin und wir fahren gemeinsam zum Eis essen, um die Familie der Freundin von der großen Tochter zu treffen. Wir klären ein paar Dinge für den anstehenden Urlaub: Nach unserem gemeinsamen Familienurlaub zu viert fährt das große Kind nämlich mit der Freundinfamilie für zwei Wochen nach Spanien. Nach zwei Stunden gehts wieder heim, allerdings nur zu dritt, da die eine Tochter heute bei der Freundin schläft. Lust auf Abendessen hat nach dem üppigen Eis allerdings niemand. So verschwindet HerrNebeL auf dem Balkon, das Kind im Kinderzimmer und ich organisiere nun noch ein paar Dinge online, bevor der Tag hoffentlich ein wenig früher endet als die letzten Tage. Die Kinder haben morgen zwar noch frei, wir Großen haben allerdings einen normalen Arbeitstag vor uns.

Weitere Tagebuchbloggerei findet sich hier.

Samstag, 27. Mai 2017

Band

Da schnürt sich ein Band um mein Herz, mal locker und unbemerkt, zumeist aber gespannt und umfassend. Es drückt mich im Innen zusammen, sodass die Brust mir eng wird, die Luft keinen Raum mehr zu finden scheint. Egal wie sehr ich auch atme, wie tief ein, wie tief aus, das Gefühl bleibt. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, nie genug; das Gefühl, unter einem Kissen erdrückt zu liegen; das Gefühl, es gibt keinen Platz für das, was mich doch eigentlich am Leben hält. Es schmerzt fast dauerhaft, wie ein großer, zäher, innerer, verklebter Klumpen. Es ist andererseits aber bereits so vertraut, dass ich es manchmal erst spüre, wenn ich höre, wie sehr ich nach Luft gierend atme, als sei ich gerade kilometerweit untrainiert gelaufen. 
Ich weiß, es ist viel. Zu viel vielleicht. Und ich weiß, es ist kein Ende in Sicht. In Wahrheit ist wohl dies hier erst der Beginn. 


Abschiede

Abschiede rühren so eine zarte Saite an in mir; vor allem Abschiede von den Menschen, die in irgendeiner Form bedeutsam sind für mich - wobei diese Bedeutsamkeit die verschiedensten Ausprägungen, Aspekte und vorhergegangenen Begegnungen beinhalten kann. So  wird sie angeschlagen, die Saite in dem einen Moment der Abschiednahme, und beginnt zu schwingen in mir. Zu tönen, und der Ton trägt sich fort und füllt aus. Füllt mich aus und berührt. Er findet seinesgleichen, der Ton, oder sein Pendant und setzt wiederum einen weiteren Ton in Bewegung. Einen weiteren Ton, der einst gewesen ist, oder vielleicht gerade erst war. Oder auch der, der bevorsteht und so unausweichlich ist. Und davon finden sich manche, ganz nah oder weit fort. Und so vermischen die Anschläge der Saiten sich in mir zu einem einzigen, harmonischen, doch klagenden Klang in Moll, der Türen öffnet, die ich doch so gern verschließe. Denn all zu oft tut es weh, das Hinschauen, das Hineinschauen in die Räume hinter diesen Türen. Viel zu oft wohnt dem entstehenden Anfang eben kein Zauber inne, sondern viel zu viel Schmerz, viel zu viel drohendes und wahrhaftiges Neuland. Viel zu oft ist das Ende eben mehr ein endgültiges, schmerzhaftes, unausweíchliches, zu verkraften müssendes Ende, als eine Chance auf einen vielleicht fruchtbaren Neubeginn. 
Abschiede beinhalten verlustig gehende Vergangenheit, abgelöst von fremder, sich neu finden müssender Gegenwart mit ungewisser Zukunft. Und an so vielen Stellen ist eben dies schlicht und einfach schmerzhaft und zunächst mal in keiner Form gewinnbringend. Und wenn sich dann, bedingt durch den Anschlag des einen Abschiedes, all die Innenklänge vereinen, so entsteht ein Klagelied, das an den Fasern meines Seins zerrt, das mein Innen erfüllt mit Trauer, Unbehagen und Schmerz. 
Und es geleitet mich im Dunkeln in den Schlaf, mit der Hoffnung in mir, dass es bald verklingen möge, da es mich mit so großer Schwere erfüllt.

Freitag, 5. Mai 2017

WMDEDGT Mai 2017

Frau Brüllen fragt wieder: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?" Weitere Tagebuchbloggerei findet sich dann hier.

Ein normaler Arbeits- und Schultag für alle. Der erste Wecker klingelt um halb sechs, der letzte um zehn nach sechs. Der Reihe nach verschwinden alle im Badezimmer unter der Dusche, ich erledige zuvor noch diese und jene Hausarbeit. HerrNebeL schneidet nach dem Duschen noch Obst für alle. Die drei Anderen frühstücken, während ich unter der Dusche stehe. Ab sieben Uhr verlassen wir das Haus - das grosse Mädchen macht den Anfang, weil der Bus kommt. Ich hatte eigentlich geplant, über die kleine Nachbarstadt zur Arbeit zu fahren, um noch der Kinderärztin etwas vorbeizubringen, was aber im Gewinnen der Substanz, die ich vorbeibringen wollte, scheiterte. Also heute doch der gewohnte Weg: Supermarkt, Bäcker und dann in die Klinik. das kleine Kind wird freitags von HerrnNebeL zur Schule gebracht, beziehungsweise in der Nähe der Schule abgesetzt.
In der Klinik angekommen, schnappe ich mir die Wäsche von mir und den Kolleginnen und düse in die Wäschekammer, um neue Arbeitskleidung - weisse Hose und blaues Polohemd - für alle die Kolleginnen zu holen, deren Büro im Umkreis des meinen ist. Insgesamt sind wir derzeit 12 Frauen, von denen 6 nebeneinander ein Büro haben. Naja, fast, ich teile mein Büro mit der lieben jüngsten Kollegin. Anschließend schaue ich mir die Tagesplanung an - ich bekomme die meisten Termine vom Planungsbüro vorgegeben. Bis auf einen Patienten kenne ich alle und kann recht zügig die Therapien mehr oder weniger - mit Material zurechtlegen oder Struktur im Kopf durchgehen - planen. Bevor ich auf Station gehe, quatsche ich noch mit der lieben langjährigen Freundin und tausche mit ihr Infos bezüglich einer Patientin aus.
Um viertel vor neun sitze ich in der Frühbesprechung "meiner" Station mit allen Therapeuten, einem Arzt - der andere befindet sich auf einer Fortbildung, einer Stationsassistentin und einem Kollegen aus der Pflege. Wir gehen die Infos des gestrigen Nachmittages und der Nacht durch. Auf dem Stationsteil, in dem ich am meisten arbeite, herrscht gerade viel Unruhe. Es ist ein geschützter Bereich, in dem vorwiegend Patienten aufgenommen sind, die vor allem aufgrund von Orientierungs-und Gedächtnisdefiziten sowie Problemen in der Krankheitswahrnehmung einen besonders strukturierten Rahmen benötigen. Das beinhaltet auch, dass der Bereich schlichtweg geschlossen ist. Alle Patienten sind neurologisch erkrankt - Patienten mit Hirnschädigungen nach Reanimationen, Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumen oder Enzephalitiden beispielsweise. Hier sehe und therapiere ich heute morgen fünf Patienten - mal auf der Station, mal in meinem Büro. Anschliessend habe ich kurz Zeit, Schreibkram zu erledigen und meinen morgigen Dienst kurz vor zu planen, bis ich zu dem nächsten bereits wartenden Patienten auf einer anderen Station aufbreche. Mittendrin sammele ich noch eine nicht recht orientierte Patientin in den Fluren auf und geleite sie zu ihrem Zimmer. Es folgt eine halbe Stunde Mittagspause, heute mit meiner obligaorischen Suppe mit Laugengebäck. Ich mache Pause mit meinen Sprachtherapiekolleginnen im Teamraum und wir lachen heute mal wieder gemeinsam über dies und das, und werden darüber tatsächlich ein klein wenig unpünktlich. Um 13 Uhr gehen die Therapien weiter. Zwei Patienten kommen zu mir, und die dritte muss ich auf dem Zimmer aufsuchen, da sie nicht mobil ist. Anschließend bleibt noch ein halbes Stündchen am Rechner, zum Umziehen, Spülen und Nachbereiten. Zu guter Letzt ärgere ich noch die Sprachtherapiechefin, in dem ich ihre Schranktüre zuknote. Wir sind ein seit Jahren eingespieltes Team, was gegenseitige Ärgereien angeht. Zugegebenermaßen bekommt sie immer am meisten ab - aber wir haben viel Spaß. Bei all der Schwere, die uns tagtäglich - mal mehr und mal weniger - umgibt - ist es sehr schön, auch gemeinsam herumzuflachsen. Natürlich verlasse ich die Klinik zu spät und mache mich auf den Weg zur Schule des kleinen Kindeleins  und komme - wie immer - gerade semipünktlich. Wir beide fahren ins Kirchencafe, obwohl die große Schwester heute kein Tanztraining um die Ecke hat, weshalb wir da normalerweise auf sie warten. Nach einer kleinen Kaffee- und Kuchenstärkung machen wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone des einen Stadtteils, um dem großen Kindelein die ersten Nylonstrümpfe zu kaufen, da nächstens eine Nichtenkonfirmation ansteht. Das kleine Kindelein sollte auch eine bekommen - beide haben bereits passende Kleider - aber für sie gab es keine. Also müssen wir nächstens noch in die Fußgängerzone des anderen Stadtteils. Zuhause angekommen, bequatschen HerrNebeL und ich, ob, wann, wo und wie wir nun ein neues altes Auto kaufen oder nicht. Zudem telefoniere ich mit dem Stiefvater, der im Krankenhaus ist, um neue Infos zur anstehenden Chemotherapie zu bekommen. Dann blogge ich schnell, bevor meine Frendin mich einsammelt, und wir in die Stadt  zum allmonatlichen Stammtisch der nicht mehr aktiven Hockeydamen des einen Stadtteils fahren. Hier löste sich kürzlich die Damenmannschaft auf, in der ich  rund 25  viele Jahre spielte. Um uns aber nicht aus den Augen zu verlieren, richteten wir den Stammtisch ein. Hier werde ich gleich auf manch eine in der Twittertimeline zum #freitagabendalk anstoßen - allerdings ohne dass die Menschen im reallife das merken werden. Schon auch irgendwie so ein klein wenig spacig - aber schön ;-). Ich hoffe, dass ich noch vor Ende des Tages im Bett sein werde - da ich ja morgen bis mittags arbeiten muss. In dem Sinne: einen schönen Freitag Abend!

Dienstag, 2. Mai 2017

Vom Fühlen und Gehen

Ich bin meisterhaft im Nicht Fühlen. Nicht Fühlen der Gefühle, die mir in meinem tiefen Inneren teilweise durchaus bewusst sind. Oder besser der Gefühle, deren Existenz auf meiner Verstandesebene logisch erscheinen. Deren Daseinsberichtigung absolut unzweifelhaft ist. Ich kann sogar heute oft manchmal diese auch recht genau zur Sprache bringen: Ich weiß, da ist Traurigkeit. Ich weiß, da ist Verzweiflung. Enttäuschung. Niedergeschlagenheit.Trauer. Angst. Aber das Wissen um ebendiese Gefühle bedeutet noch lange nicht, dass sie für mich spürbar sind. Der Verstand mag sehen und verstehen, vielleicht. Aber das Gefühl findet keinen Raum in mir. Es strömt und fließt nicht in meine Mitte, breitet sich nicht aus, sondern es verharrt verkapselt in irgendeinem hinterletzten Winkelchen meines Selbst. Ich trage es zumeist stillschweigend mit mir herum. Selbst wenn ich hier und da sagen kann, dass ich traurig bin, so bleibt das Innen seltsam unberührt, beherrscht, abwesend, kalt. Auch wenn das Wissen um diese Traurigkeit da ist - ich fühle sie nicht. 
So könnte man annehmen, ich sei gemeinhin ein eher kalter, wenig empathischer Mensch.Wie sollte ich, wenn ich meine eigenen Gefühle verschlossen in mir herumtrage, in der Lage sein, anderen Menschen empathisch zu begegnen?  Die Empathie jedoch liegt in dem Erspüren und Nachempfinden der Gefühle, die nicht die Meinen sind. Ich kann sehr nah dran sein an Anderen, kann deren Gefühle mitfühlen, mitweinen,sie trösten oder aufbauen, mich hineinversetzen in sie, versprachlichen, wenn ihnen die Worte fehlen. Das Spüren liegt hier im Außen. Das kann ich gut. Im Inneren jedoch bleibt zumeist eine große Distanz zwischen dem, was ich vielleicht weiß und dem, was ich fühle. Manchmal jedoch ist es auch heute noch so, dass ich lange nicht weiß, was fein säuberlich verpackt irgendwo in mir schlummert, bis irgendwann ein Zipfelchen davon angerührt wird, und mein Verstand zu folgen vermag. Aber auch das gelingt heute oft nicht. Da sind wenig Räume, in denen diese Gefühle in der Lage sind, sich auszubreiten. Es sind diese schmerzlichen, die mich zu verzehren drohen, die mir den Boden unter den Füßen rauben, die die Kontrolle des Verstandes auszuschalten in der Lage sind und mich überfluten könnten. Nach wie vor traue ich mir selber wohl nicht über den Weg, dies aushalten zu können. Eine Frage von Willen ist das allerdings nicht. Ich würde beispielsweise  gerne weinen und spüren können, wie traurig ich bin über den unausweichlichen, drohenden Tod des Stiefvaters, mit dem ich mehr Zeit meines Lebens eng verbracht habe als mit meinem Vater, um einfach mal ein bisschen Last abzugeben - auch wenn ich genau weiß, dass sich die Grundsituation dadurch nicht verändern wird. Es stellt sich so nie ein Gefühl von Befreiung ein, weil die Traurigkeit weiter in mir wohnt und wächst - wie so manch anderes verborgenes, getragenes Gefühl eben auch. Neben den fehlenden Räumen, in denen ich Zugang zu meinem Gefühlen finde - oder sie zu mir - sind die Räume, die potentielle Räume sein könnten - zumindest auf Verstandesebene Sorgen versprachlicht loszuwerden - in der Regel belegt. Belegt mit den Gefühlen und Sorgen derer, die mir nahestehen. Zweifelsohne bin ich gerne da, höre, spüre und bespreche das, was nicht Meines ist. Diesen Raum zu beanspruchen auch für mich, bin ich jedoch nicht in der Lage. Oft, sehr oft, fühlt es sich falsch an. Fehlplatzig. Vor allem auch dann, wenn der Raum schon so belegt ist. Zweifelsohne ist es mir fremd, bewusst Raum zu beanspruchen, Raum oder Platz zu nehmen, wie es zumeist auch überhaupt schwierig für mich ist, zu nehmen. Geben liegt mir einfach mehr. Und auch, wenn da so manches Mal Signale sind, die mir ein Stück weit Raum für mich aufzeigen, umschiffe ich sie gekonnt. Weil das Gewohnte sich eben auf ausgetretenen Pfaden bewegt und sich nur schwerlich auf die zugewucherten Seitenwege wagt. Wobei ich rückblickend sicher sagen muss, dass sich schon so manche zugewucherten Wege zu ganz passabel durchgängigen, lichten Alleen gewandelt haben. Wer weiss, wann die Bewusstheit mir auch in diesem Punkt irgendwann den Seitenweg aufzeigt, dem ich nicht mehr ausweichen kann. Oder möchte.

Montag, 17. April 2017

Ferienstart

An einem der ersten gemeinsamen Ferientage ging die NebeL Familie in den Wald, ein wenig spazieren und geocachen. So ein wunderschönes hellgrün war an vielen Stellen zu sehen, es duftete nach Frühling und Frühlingsregen und war - trotz Stadtnähe -  schön still...


Unterwegs waren gar nicht so viele Menschen, eine kleine Reitergruppe mit Kindern, einige wenige  Menschen mit Hunden und eine Familie - noch dazu der Konrekor und Deutschlehrer des großen Kindeleins. Ein sehr netter und engagierter Mann, den wir alle sehr mögen. Tatsächlich hat er aber ein klein wenig fragend geschaut, aus wir bei deren Auftauchen - sie kamen um eine Ecke gebogen - ein kleines Logbuch sowie eine Dose schnell verschwinden ließen und ganz unschuldig taten - denn vermutlich handelte es sich bei ihm um einen "Geochache - Muggel"... Nach kurzer Begrüßung gingen die drei weiter. Als die Familie außer Sichtweise war, wurde dann weiter geloggt und die Dose wieder an Ort und Stelle versteckt.
Das kleine Kindelein findet geocachen eigentlich nicht so spannend. Zumindest, wenn man zu Hause plant und darüber redet, bald zum Geocachen aufzubrechen. Aber wehe, wir sind im Wald und der Cache ist nah! Oft ist sie die erste, die losläuft und sie fand an diesem Tag zwei von vier Caches. Und war sehr glücklich. Naja, fast... Wir Großen und das größere Kindelein haben einen Stempel, mit dem wir unseren Besuch "loggen". Beim ersten Cache war das kleinere Kindelein schon enttäuscht,dass sie eben keinen solchen besitzt.

Ob hier wohl was versteckt ist?





Auf dem Heimweg kamen wir hier vorbei, man kann prima die Lichtung im Bild hinten links sehen. Dort starten häufig  - wenn denn die thermischen Bedingungen das zulassen - Paraglyder, nur wenige Autominuten von der großen Stadt entfernt.


Und ein Stückchen weiter rechts sieht man diese beiden Wassertürme, in deren Nähe unser Haus steht. 


Ganz nah beim Auto fanden wir dann diese beiden netten Schilder, das eine verwachsen im alten Baum....


.... und das andere - ein zwar offizielles, aber veraltetes Wanderparkplatzschild. 1992 wurde das Bild darauf eigentlich ersetzt durch zwei Strichmännchen - Wanderer. Aber ich mag dies hier viel lieber.

Am Ende haben wir vier Dosen gehoben und zusätzlich nochmal zwei -die wir bereits beim letzten Mal fanden - nochmals besucht, um Bonus Koordinaten zu notieren, damit wir bald den Bonus Cache zu dieser Runde auch noch suchen können.