Mittwoch, 26. Juli 2017

Eingeschlafen

Der Tod kam in der Nacht und ließ ihn ganz in Ruhe einschlafen. So, wie ich es angesichts der Erkrankung nicht zu hoffen gewagt hatte. Eigentlich hatte er zu Hause  sterben wollen, was leider nicht der Fall war. Ein, zwei Tage noch sollte er im Krankenahus bleiben. Und dann ist er dort gegangen, am frühen Morgen vor zehn Tagen. Neben der Trauer und Unwirklichkeit in der ich selber mich befand und  befinde, steht der Versuch des ehrlichen und pragmatischen Umgehens mit dem Tod, mit einem toten Körper, der Trauer und den Kindern. Das gemeinsame Anschauen von Särgen und Urnen, das Verabschieden. Dem Opa noch Dinge mit auf den Weg geben, ein Briefchen unter seine Decke von jedem von uns, vor allem den beiden Mädchen. Damit der Tod nicht ein in der Luft stehendes Etwas ist, sondern begreifbar. Sofern er denn überhaupt begreifbar sein kann - fällt es mir selber doch schwer, mich zu erinnern, dass er nicht mehr bei uns ist, dass das Zusammenleben zu Hause sich nun verändert. Sein Stuhl bleibt leer und ich weiss, wir alle werden liebevoll an ihn denken, wenn wir uns auf seinen Platz setzen. Ich bin dankbar für die Zeit. Dankbar, dass er mir Zeit geschenkt hat, dass er Zeit mit unseren Kindern hatte und sie mit ihm. Er war zwar ein alter Mann - aber dennoch ist der Zeitpunkt wohl niemals richtig, einen Menschen zu verlieren, auch wenn ich weiss, dass dieser ein Leben, ein langes Leben lang gelebt hat, so schmälert es doch nicht den Verlust des Menschen ansich. Ich weiss, dass er stolz auf mich war. Ein Stolz, der vor allem in den letzten Wochen noch gewachsen ist. Ich weiss, dass ich geliebt wurde. Und ich weiss um seine Wertschätzung. Das ist ein schönes Gefühl und nicht selbstverständlich, weil ich gar nicht seine Tochter war, sondern ihn erst mit 12 Jahren kennenlernte, und sich erst nach und nach eine Vater -Tochter Beziehung entwickelte. Endgültig Abschied nehmen werden wir in zwei Wochen an einem von ihm viel bereisten Ort in der Kieler Förde - der Ort, an dem wir neulich noch gemeinsam waren. Und es war gut so.

Montag, 24. Juli 2017

Inselliebe

Seit ich mit Herrn NebeL zusammen bin, gibt es genau ein einziges Urlaubsziel, an dem wir uns uneingeschränkt wohlfühlen. Einen Ort, wo wir ankommen und quasi sofort auf Ferienmodus gepolt sind. Dort ist genau das, was wir beide unter Urlaub verstehen - nämlich Ruhe. Es gibt wenige Menschen, wenige Geschäfte. Keinerlei Einkaufsstrassen. Keine Autobahn, wenig Verkehr. Es gibt leere Strandabschnitte, und wenn man an unserem Hausstrand drei Menschen trifft, dann ist es schon gut besucht. Auf einer 118 Quadratkilometer großen Fläche - etwa 2/3 unserer Heimatstadt, die 345.000 Einwohner hat - leben keine 2000 Menschen. Sicherlich gibt es viele Ferienhäuser, aber diese stehen zumeist weit voneinander entfernt und oft gut geschützt. Und in der Gegend, in der wir dann wohnen, bemerkt man keinen wahren Betrieb. An anderen Ecken bemerkt man das sicherlich deutlich mehr. Wir steigen aus dem Auto und oftmals nutzen wir es in den uns immer dort verbleibenden drei Wochen nicht. Wir radeln täglich, sind täglich am Strand, und einer von uns fährt wohl auch fast täglich ein paar Minuten, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Es gibt unendlich viel Heidekraut, was zumeist blüht, wenn wir da sind.



Einer unserer Lieblingsplätze ist die Hafenmole im Osten der Insel. Stunden verbringen wir hier, essen Fischfrikadellen oder Kekse, schauen den Seglern und Fischern beim Ein- und Auslaufen zu. Meistens leben die Schwiegereltern im Haus nebenan und wir treffen uns oft zum Kaffee oder Abendessen, was mal wir und mal sie zubereiten. Wir lesen und häkeln und malen und spielen. Jedes Jahr gehen wir an dieselben Plätze - die Salzsiedehütten, auf einen Hof in der Mitte der Insel zum Kerzenziehen, an das äußerste Südostende der Insel, auf den Spielplatz im Yachthafen zum Beispiel. Und jedes Jahr finden wir einen Ort, eine Stelle, die wir noch nicht kannten und die wir mögen. Die Sonne geht fast eine Stunde eher auf als daheim und die Nacht ist lange Zeit deutlich heller. Nur mitten drin ist es wirklich dunkel, und wenn es sternenklar ist, blinkt über uns ein prachtvoller Himmel - zudem auch oft mit einigen Sternschnuppen. Wir kennen das Haus, das Haus der Schwiegereltern und müssen uns auf nichts Ungewohntes einstellen. Genau das ist unser Ort, im dänischen Kattegat, die letzte Insel vor der Nord Ostsee Passage. Das ist der Ort, den ich verbinde mit 3 Wochen Erholungsurlaub im Sommer. Ein um die andere Woche im Jahr sind wir auch ganz woanders und urlauben anders, aber der Sommer, der gehört Læsø.







Donnerstag, 13. Juli 2017

Von Papieren und vom Handeln

Dinge wie Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachen, Betreuungsverfügungen und dergleichen lassen den Laien recht ratlos auf Papiere und Vordrucke blicken. Und zudem erledigen sie sich niche "eben so". Seit langem wird das Thema hier immer wieder angesprochen. Die Notwendigkeit. Immer wurde ihr zugestimmt. Passiert ist nichts. Es ist schwer, der Endlichkeit ins Auge zu sehen, erst recht, wenn man selber betroffen ist. Umso wichtiger jedoch die Vorsorge, dass im eigenen Sinne gehandelt wird. Auch dann, wenn man selber seine Wünsche nicht mehr zu vertreten in der Lage ist. Dazu aber muss geredet werden. Und der Mensch, der sowieso ungerne über sich redet, der Mensch, der sich in einer schweren Belastungssituation befindet hat damit sicherlich große Mühe. Eben solche Gespräceh dennoch von aussen zu forcieren ist nicht so einfach. Ich zumindest hatte immer das GEfühl, weit in die Persönlichkeitsrechte des Vaters vorzudringen, je näher ich mich an diese Dinge wagte. Ihn zu zwingen zu Dingen, die er lieber weit, weit fortschieben wollte. Das machte es mir nicht einfacher. Manche Wünsche kannte ich. Die meisten Wünsche vermutete ich. Aber dies hätte rechtnlich niemals auch nur den geringsten Bestand, da ich von Rechts wegen von dem Mann, den ich hier Vater nenne, einfach gar nichts bin. Um so wichtiger also waren gültige Papiere....
Heute ließ ich alle Bedenken und Vorbehalte dazu fallen. Er war gut drauf und mitten im Hier und Jetzt und ich besprach, erklärte und kreuzte auf Anweisung hin an. Pragmatisch, ehrlich und offen. Und wir konnten manche wichtigen Papiere ausfüllen. Wir besprachen seine und unsere Bestattungswünsche. Mittendrin half ich beim Aufstehen, beim Umlagern im Bett, beim Toilettengang. Völlig frei und selbstverständlich. Und er liess mich nicht nur gewähren sondern konnte all dies in Ruhe und Dankbarkeit und Selbstverständlichkeit annehmen. 
Die wohl beste Lösung, ihn gut zu versorgen, wäre die Inanspruchnahme von Pflegezeit - unbezahlten Urlaub vom Job, um ihn zu pflegen.  Dies ist aber nur möglich bei Angehörigen - was wir ja eben nciht voneinander sind. So hoffe ich, dass wir in der Lage sein werden, ihm dennoch seine Wünsche weitestgehend eben mit Hilfe der ambulanten palliativen Pflege zu ermöglichen, oder dies eben so lange es geht. 
Ich bin nah dran mit meinem Herzen. Aber ich bin eben auch ein Stück weit professionell. Kenne manchen Kniff und Trick und die richtige Bewegung. Medizinische Begriffe und Behandlungen sind mir nicht fremd. Hier und da mögen auch ein gutes Auge und eine realistische Einschätzung der Situation dazu kommen, wenn auch gewiss nicht immer. Aktiv sein und Dinge in diesem Bereich zu regeln, fällt mir nicht schwer. Ich bin die Handelnde. Aber ich lerne auch, zu deligieren, weil ich gar nicht alles alleine schaffen kann. Und es auch gar nicht will. Tatsächlich verzahnt es sich hier aber genau dadurch, dass ich beginne, die Anderen, die zumeist hilflos sich fragen, was sie tun können, zu versorgen mit Aufgaben. Und viel wichtiger dabei ist, dass es sich ergänzt und dadurch weit umfassender werden kann, als ich allein es leisten könnte. HerrNebeL findet, ich mache das alles verdammt gut, ich aber finde, WIR machen das alles wirklich ziemlich gut. nd ich hoffe, dass wir genau das gemeinsam durchhalten können. Bis zum Schluß.

Montag, 10. Juli 2017

Durcheinander

Der Alltag hier ist derzeit ein Durcheinander des steten Alltages - Arbeiten für HerrnNebeL und mich, Schulalltag und Freizeitaktivitäten der Kinder - beides mit allem Drum und Dran - gekoppelt mit der zunehmenden Hilfe- und Pflegebedürftigkeit meiner Eltern. In den letzten Wochen ging es in jeder freien Minute um die Feststellung des Bedarfes an Hilfe, Beantragung von Pflegegrad, Gespräche mit ambulanter Palliativpflege, Gesprächen mit Ärzten, den Eltern, dem Vater, der Mutter. Und efertig sind wir damit noch nicht... Es ging und geht um Ideenfindung, wie wir was organisieren müssen, wie wir wem von beiden helfen müssen. Wo wir Hilfe brauchen. Und wo wir Hilfen bekommen. Ein bürokratischer Aufwand sondergleichen. Zudem ist das Führen von Gesprächen mit Ärzten oder anderen Personen recht schwierig, wenn man selber im  Beruf steht und noch nach den Kindern schauen muss. Abends ist selten noch ein Verantwortlicher zugegen - selbstredend nicht. Irgendwann letzte Woche schrieb ich einfach einen Zettel mit der Anregung verschiedenster durchaus gravierende Dinge - die mein Vater nicht mehr besprechen konnte und meine Mutter leider weder verstand und zudem vergaß. Es ging um Schluckstörungen, um Morphine und parenterale Ernährung. Ich legte diesen also ins Krankenzimmer, erklärte mich dem Vater nochmals, dessen Wünsche dahingehend mir bekannt sind und nahm ihm das Versprechen ab, den Zettel einem verantwortlichen Arzt in die Hände zu drücken. Was er auch tat. Glücklicherweise kam kaum später meine Schwester dorthin und konnte nochmals das Ganze auch persönlich erklären. Und siehe da, endlich wurden Morphine angesetzt und bei Notwendigkeit der Wunsch der unterstützenden Ernährung aufgegriffen. Eine durchaus unkonventionelle Art der Arzt-Angehörigen Kommunikation, aber nun, einfach ist es eben einfach nicht. Und mir, uns war es wichtig, endlich eine weitestgehende Schmerzfreiheit zu erreichen. Kein totkranker Mensch sollte auch noch Schmerzen haben müssen, wenn dies eben abgewendet werden kann... Neben all der ganzen Organisation noch Tochter sein, begleiten, allen gerecht werden. Und neben der Krebsgeschichte noch die Demenz der Mutter tragen, Diagnostik anleiern - was das eine ist und auf den Weg gebracht - auch das Tragen des Alltags mit einem Menschen, der viele klare Momente hat, aber leider zunehmende Lückenmomente. Momente, die das tägliche Kontrollieren notwendig machen an vielen Stellen. Die Umrüstungen im Haus notwendig machen, um vorzusorgen. Vor allem aber - das Aushalten. 
Es ist schwer, auszuhalten, wie der Vater abbaut. Zu sehen, wie er Schmerzen hat, wie er sich verschluckt, wie er nichts mehr isst. Wie er kaum trinkt und eintrübt. Wie er völlig schläfrig weit, weit fort ist bei einem neuerlichen Infekt bei Leukopenie. Wie er immer mehr abwesende Momente hat. Wie er sich selber wundert, dass ihm einzelne Tage - Tage an denen es ihm schlecht geht - einfach verliert, obwohl er eigentlich kognitiv noch recht gut dabei ist. Langsam, aber dabei. Wie er nicht mehr gehen kann. Oder schreiben. Wie sehr es ihm weh tut, das nicht mehr zu schaffen. Wie er Hilfe braucht beim Aufstehen und Umsetzen. Auch, wie er überrascht ist, dass ich genau das kann - mein Arbeits-Ich ist der Familie ja fremd.
Schwer ist das, und weh tut es auch.
Aber viel schwerer auszuhalten sind die Gedankensprünge der Mutter. Das so sehr verlustig gegangene Kurzzeitgedächtnis. Das tagtägliche, stündliche, ja ewige Suchen von Irgendetwas.  Die kaputten Schallplattengespräche. Das Miterleben, wie sehr gewohnte, jahrelang gewohnte Tätigkeiten sich durchmischen, strukturlos werden und ihre Form verlieren. Das Umschlagen der Stimmung. Das Nicht-mehr Verstehen von Zusammenhängen und das gleichzeitige Durcheinanderbringen dessen, was sie verstanden hat. Fehlende zeitliche Orientierung. Störungen im Sprachverständnis. 
Das alles macht mir noch viel, viel mehr Mühe. 
Ich bin zudem aufgrund der räumlichen Nähe immer mittendrin. Da sind kaum noch Pausen für mich selber, keine Ruhe, keinerlei Abstand. Es zehrt, wenn auch das "da -sein" für beide selbstverständlich ist. Es ist schwer, geduldig zu bleiben, wenn auch bestimmt, aber eben geduldig mit ihr. Vor allem: es gibt keine Rast, nichts zum Auftanken. Alles, was es gibt, ist das Wissen, dass erstmal alles nur noch schlimmer werden wird, bevor das Ende kommt.

Mittwoch, 5. Juli 2017

WMDEDGT - Juli 2017

Gestern Abend erinnerte mich das große Kind bereits daran, dass ich heute wieder schreiben muss - und hatte somit die Tagebuchbloggerei von Frau Brüllen besser auf dem Schirm als ich :). Selbige fragt nämlich an jeden 5. des Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?"

Mein Tag startete netterweise mit einer durchgeschlafenen Nacht, wenn sie auch ein klein wenig zu kurz war. Das große Kind verließ wie jeden Wochentag als erste das Haus, um zum Bus zu gehen. HerrNebeL, das kleinere Mädchen und ich gingen gemeinsam zum Auto - ich machte mich heute auf den Weg zur Arbeit, HerrNebeL brachte vor seiner Arbeit erst das Mädchen in den Nachbarstadtteil zur Schule.
Bei der Arbeit angelangt, schmiss ich mich in die Arbeitskleidung (gar fürchterlich polyesterhaltige Poloshirts in blau und eine weiße, mit viel zu wenigen Taschen bestückte Hose), fuhr den Rechner hoch, checkte meinen Arbeitsplan und quatschte mit der Bürokollegin. Vor der Frühbesprechung auf Station begleitete ich die neue Kollegin  der Sprachtherapie, die am Montag erst begonnen hat, in die Wäscherei, um ihr neue Arbeitskleidung zu besorgen und alles zu zeigen.
Der Frühbesprechung wohnte heute die neue Oberärztin bei, die entgegen meiner Befürchtung bisher auch im somatischen Bereich fit zu sein scheint und zudem sehr nett und offen ist (und nur ein Jahr älter als ich. Aber ich sähe viiiel jünger aus, sagte die Kollegin der Ergotherapie. Nun ja, find ich jetzt nicht, aber ehrte mich dennoch). Nach der Frühbesprechung war der Plan, mich von einem Patienten und seiner Familie zu verabschieden - der war aber leider bereits abgereist, was mir so ein klein wenig den Morgen verdarb, weil ich mich gern persönlich verabschiedet hätte. Aber nun, so läuft das halt manchmal. ABer dass ein Pateint vor neun Uhr alles gepackt hat und abgeholt wird konnte ich nun auch nicht ahnen. Am Vormittag behandelte ich dann 7 Patienten, die alle mit Sprachstörungen nach Schlaganfall, Schädel Hirn Trauma oder einer Hypoxie zu kämpfen hatten. Zum Teil ging es darum, erst mal den Ist-Status zu erheben und eine genaue Diagnose zu stellen, zum Teil waren wir schon mitten drin in der Therapie. Zwischen Tür und Angel organisierte ich nach einem Anruf meiner Mutter noch die Einweisung meines Stiefvaters ins Krankenhaus - was recht genaue Handlungsanweisungen an meine Mutter beinhaltete, die zu konfus war, das alleine zu regeln. Glücklicherweise war meine Tante vor Ort, um ihr ein wenig unter die Arme zu greifen, sodass ich nicht gezwungen war, spontan Überstunden zu nehmen und alles selber vor Ort zu klären. Im günstigen Fall geht es nun nur um eine ausreichende Flüssigkeitssubstituierung und im schlechteren Fall wird man ihm möglicherweise noch eine Antibiose angedeihen lassen. Morgen werde ich das im Krankenhaus abklären.
Mittags hatte ich feines Essen - Reste vom Vortag. Eine Ingwer-Gemüse-Pfanne mit gehacktem Tofu und Reis. Entgegen meiner Gewohnheit keine Tütensuppe - die wurde nämlich aus dem Angebot des Supermarktes genommen, was  mich schon ein ums andere Mal etwas ratlos dort herumstehen ließ - sier erinnern sich vielleicht - FrauNebeL liebt Gewohnheiten :-). Am Nachmittag sollte ich eigentlich drei Patienten behandeln - eine Neuaufnahme bedurfte aber gar keiner sprachtherapeutischen Hilfe, was mir ein wenig Zeit zu zwei weiteren Telefonaten mit meinen eigenen Therapeutinnen verschaffte. Den dritten Patienten, der eigentlich im geschützten Bereich neu aufgenommen war - fand ich gar nicht erst. Was durchaus auch eine Kunst ist in einem Stationsteil, der eben verschlossen ist.... Der Kollege der Sporttherapie war mir offensichtlich zuvorgekommen (und hatte den Plan des Patienten nicht beachtet) und ihn mit zu einer Bewegungsgruppe genommen. Aufgrundessen suchte ich erst die in Frage kommenen Plätze IN der Klinik auf und begab mich dann ins Gelände UM die Klinik, um den Herrn zu suchen - leider erfolglos. So musste ich eine freundliche Nachricht an den Sportkollegen hinterlassen, nächstens besser die Therapiepläne ztu studieren ;-). Um kurz nach drei zog ich mich um, vergaß, meine Tasse zu spülen, was mir just beim Schreiben auffällt, räumte Materialien weg und wischte die Tische.
Um zwanzig nach drei saß ich im Auto und fuhr zur Schule des kleinen Kindes, um sie abzuholen. Eine Stunde später waren wir daheim und ich suchte diverse Krankenunterlagen zusammen, weil um 16:30 ein Termin mit einem Palliativ-Pflegedienst für meinen Vater anstand. Inzwischen benötigen wir hier zu Hause Hilfe für ihn bei diversen Dingen und aufgrund der Progredienz der Erkrankung wird dieser Hilfebedarf in naher Zukunft noch größer werden. Das Gespräch war sehr informativ und entlastend und die Entscheidung für diesen Pflegedienst ist auch in Abwesenheit des Stiefvaters - mit seinem Einverständnis - gefallen. Auf jeden Fall bedeutet das eine große Entlastung für mich in der Notwendigkeit, mich arg um die Eltern kümmern zu müssen.  Ein kleines Aufatmen.
Das große Kind briet Spiegeleier für alle, während HerrNebeL heimkam und ich mich noch mit meiner Schwester unterhielt, die ebenfalls beim Gespräch dabei war.  Die Familie NebeL aß zu Abend, während ich tippte und meine Geldbörse umräumte - heute kam nämlich eine neue, hübsche Börse für mich an, weil sich die alte in viele Einzelteile auflöst. In einer halben Stunde werde ich loisfahren und meine Freundin und Ex-Arbeitskollegin treffen, die bald für eine lange  Weile das Land verlässt, um in weiter Ferne auf einer Farm zu arbeiten. Sicherlich wird es dann heute Abend viel zu spät werden, aber ich bin mir sicher, dafür wirds schön  :-).

Weiter Tagebuchboggerein wie immer hier, bei Frau Brüllen.

Freitag, 30. Juni 2017

Lebens-Abschied

Neulich, am Meer.

 


Viele Eindrücke gesammelt habe ich. Viele Momente aufgesogen. Mich in manchen Momenten tränennah weggedreht in dem Wissen, dass es einige meiner letzten Eindrücke von ihm sein werden. Diese Eindrücke waren nicht mehr frei, sondern bereits geprägt vom deutlichen körperlichen Verfall, gezeichnet durch den Krebs. Noch einmal wollte er all das sehen, was er seit Jahren zu dieser Zeit sieht. Noch einmal ans Meer, noch einmal dieses große Segler Event als passionierter Segler von ganz nah anschauen.



Abschied. Seiner von der Welt, Stück für Stück. 
Und unserer von ihm.

Montag, 5. Juni 2017

WMDEDGT - Juni 2017

Frau Brüllen fragt jeden Fünften eines Monats "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? und ich mache gerne mit.

Dank Pfingstmontag durften heute alle ausschlafen. Um acht aber steht HerrNebeL auf, um sein Mountainbike und das des großen Mädchens fertig zu machen und auf den Träger zu packen, da sich beide heute mit einem Freund und dessen Sohn für eine Runde durch Wald und  Feld verabredet hatten. Nach und nach schlagen auch die Mädels im Wohn/Schlafzimmer auf und wir starten mit ungeordnetem Frühstück und Kaffee - heut ganz untypisch jeder so, wie er oder sie mag. Eigentlich sind wir ja bekennende Wochenend-Geimeinsam-Frühstücker. Gegen zehn machen sich die beiden auf den Weg in die bergische Nachbarstadt, während das kleinere Mädchen und ich daheim bleiben. Ich kümmere mich um Wäasche, Aufräumen, Saugen und Putzen der meisten Räume. Mittendrin meldet sich eine Freundin von der kleinen Tochter und fragt, ob sie mit zum Schwimmen käme. Ein halbes Stündchen später wird sie abgeholt, ich wusele weiter im Haushalt, gehe dann in Ruhe duschen und lege eine kleine Couch Runde ein. Dann kommen erst die beiden Radler wieder, kurz darauf die Schwimmerin und wir fahren gemeinsam zum Eis essen, um die Familie der Freundin von der großen Tochter zu treffen. Wir klären ein paar Dinge für den anstehenden Urlaub: Nach unserem gemeinsamen Familienurlaub zu viert fährt das große Kind nämlich mit der Freundinfamilie für zwei Wochen nach Spanien. Nach zwei Stunden gehts wieder heim, allerdings nur zu dritt, da die eine Tochter heute bei der Freundin schläft. Lust auf Abendessen hat nach dem üppigen Eis allerdings niemand. So verschwindet HerrNebeL auf dem Balkon, das Kind im Kinderzimmer und ich organisiere nun noch ein paar Dinge online, bevor der Tag hoffentlich ein wenig früher endet als die letzten Tage. Die Kinder haben morgen zwar noch frei, wir Großen haben allerdings einen normalen Arbeitstag vor uns.

Weitere Tagebuchbloggerei findet sich hier.

Samstag, 27. Mai 2017

Band

Da schnürt sich ein Band um mein Herz, mal locker und unbemerkt, zumeist aber gespannt und umfassend. Es drückt mich im Innen zusammen, sodass die Brust mir eng wird, die Luft keinen Raum mehr zu finden scheint. Egal wie sehr ich auch atme, wie tief ein, wie tief aus, das Gefühl bleibt. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, nie genug; das Gefühl, unter einem Kissen erdrückt zu liegen; das Gefühl, es gibt keinen Platz für das, was mich doch eigentlich am Leben hält. Es schmerzt fast dauerhaft, wie ein großer, zäher, innerer, verklebter Klumpen. Es ist andererseits aber bereits so vertraut, dass ich es manchmal erst spüre, wenn ich höre, wie sehr ich nach Luft gierend atme, als sei ich gerade kilometerweit untrainiert gelaufen. 
Ich weiß, es ist viel. Zu viel vielleicht. Und ich weiß, es ist kein Ende in Sicht. In Wahrheit ist wohl dies hier erst der Beginn. 


Abschiede

Abschiede rühren so eine zarte Saite an in mir; vor allem Abschiede von den Menschen, die in irgendeiner Form bedeutsam sind für mich - wobei diese Bedeutsamkeit die verschiedensten Ausprägungen, Aspekte und vorhergegangenen Begegnungen beinhalten kann. So  wird sie angeschlagen, die Saite in dem einen Moment der Abschiednahme, und beginnt zu schwingen in mir. Zu tönen, und der Ton trägt sich fort und füllt aus. Füllt mich aus und berührt. Er findet seinesgleichen, der Ton, oder sein Pendant und setzt wiederum einen weiteren Ton in Bewegung. Einen weiteren Ton, der einst gewesen ist, oder vielleicht gerade erst war. Oder auch der, der bevorsteht und so unausweichlich ist. Und davon finden sich manche, ganz nah oder weit fort. Und so vermischen die Anschläge der Saiten sich in mir zu einem einzigen, harmonischen, doch klagenden Klang in Moll, der Türen öffnet, die ich doch so gern verschließe. Denn all zu oft tut es weh, das Hinschauen, das Hineinschauen in die Räume hinter diesen Türen. Viel zu oft wohnt dem entstehenden Anfang eben kein Zauber inne, sondern viel zu viel Schmerz, viel zu viel drohendes und wahrhaftiges Neuland. Viel zu oft ist das Ende eben mehr ein endgültiges, schmerzhaftes, unausweíchliches, zu verkraften müssendes Ende, als eine Chance auf einen vielleicht fruchtbaren Neubeginn. 
Abschiede beinhalten verlustig gehende Vergangenheit, abgelöst von fremder, sich neu finden müssender Gegenwart mit ungewisser Zukunft. Und an so vielen Stellen ist eben dies schlicht und einfach schmerzhaft und zunächst mal in keiner Form gewinnbringend. Und wenn sich dann, bedingt durch den Anschlag des einen Abschiedes, all die Innenklänge vereinen, so entsteht ein Klagelied, das an den Fasern meines Seins zerrt, das mein Innen erfüllt mit Trauer, Unbehagen und Schmerz. 
Und es geleitet mich im Dunkeln in den Schlaf, mit der Hoffnung in mir, dass es bald verklingen möge, da es mich mit so großer Schwere erfüllt.

Freitag, 5. Mai 2017

WMDEDGT Mai 2017

Frau Brüllen fragt wieder: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?" Weitere Tagebuchbloggerei findet sich dann hier.

Ein normaler Arbeits- und Schultag für alle. Der erste Wecker klingelt um halb sechs, der letzte um zehn nach sechs. Der Reihe nach verschwinden alle im Badezimmer unter der Dusche, ich erledige zuvor noch diese und jene Hausarbeit. HerrNebeL schneidet nach dem Duschen noch Obst für alle. Die drei Anderen frühstücken, während ich unter der Dusche stehe. Ab sieben Uhr verlassen wir das Haus - das grosse Mädchen macht den Anfang, weil der Bus kommt. Ich hatte eigentlich geplant, über die kleine Nachbarstadt zur Arbeit zu fahren, um noch der Kinderärztin etwas vorbeizubringen, was aber im Gewinnen der Substanz, die ich vorbeibringen wollte, scheiterte. Also heute doch der gewohnte Weg: Supermarkt, Bäcker und dann in die Klinik. das kleine Kind wird freitags von HerrnNebeL zur Schule gebracht, beziehungsweise in der Nähe der Schule abgesetzt.
In der Klinik angekommen, schnappe ich mir die Wäsche von mir und den Kolleginnen und düse in die Wäschekammer, um neue Arbeitskleidung - weisse Hose und blaues Polohemd - für alle die Kolleginnen zu holen, deren Büro im Umkreis des meinen ist. Insgesamt sind wir derzeit 12 Frauen, von denen 6 nebeneinander ein Büro haben. Naja, fast, ich teile mein Büro mit der lieben jüngsten Kollegin. Anschließend schaue ich mir die Tagesplanung an - ich bekomme die meisten Termine vom Planungsbüro vorgegeben. Bis auf einen Patienten kenne ich alle und kann recht zügig die Therapien mehr oder weniger - mit Material zurechtlegen oder Struktur im Kopf durchgehen - planen. Bevor ich auf Station gehe, quatsche ich noch mit der lieben langjährigen Freundin und tausche mit ihr Infos bezüglich einer Patientin aus.
Um viertel vor neun sitze ich in der Frühbesprechung "meiner" Station mit allen Therapeuten, einem Arzt - der andere befindet sich auf einer Fortbildung, einer Stationsassistentin und einem Kollegen aus der Pflege. Wir gehen die Infos des gestrigen Nachmittages und der Nacht durch. Auf dem Stationsteil, in dem ich am meisten arbeite, herrscht gerade viel Unruhe. Es ist ein geschützter Bereich, in dem vorwiegend Patienten aufgenommen sind, die vor allem aufgrund von Orientierungs-und Gedächtnisdefiziten sowie Problemen in der Krankheitswahrnehmung einen besonders strukturierten Rahmen benötigen. Das beinhaltet auch, dass der Bereich schlichtweg geschlossen ist. Alle Patienten sind neurologisch erkrankt - Patienten mit Hirnschädigungen nach Reanimationen, Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumen oder Enzephalitiden beispielsweise. Hier sehe und therapiere ich heute morgen fünf Patienten - mal auf der Station, mal in meinem Büro. Anschliessend habe ich kurz Zeit, Schreibkram zu erledigen und meinen morgigen Dienst kurz vor zu planen, bis ich zu dem nächsten bereits wartenden Patienten auf einer anderen Station aufbreche. Mittendrin sammele ich noch eine nicht recht orientierte Patientin in den Fluren auf und geleite sie zu ihrem Zimmer. Es folgt eine halbe Stunde Mittagspause, heute mit meiner obligaorischen Suppe mit Laugengebäck. Ich mache Pause mit meinen Sprachtherapiekolleginnen im Teamraum und wir lachen heute mal wieder gemeinsam über dies und das, und werden darüber tatsächlich ein klein wenig unpünktlich. Um 13 Uhr gehen die Therapien weiter. Zwei Patienten kommen zu mir, und die dritte muss ich auf dem Zimmer aufsuchen, da sie nicht mobil ist. Anschließend bleibt noch ein halbes Stündchen am Rechner, zum Umziehen, Spülen und Nachbereiten. Zu guter Letzt ärgere ich noch die Sprachtherapiechefin, in dem ich ihre Schranktüre zuknote. Wir sind ein seit Jahren eingespieltes Team, was gegenseitige Ärgereien angeht. Zugegebenermaßen bekommt sie immer am meisten ab - aber wir haben viel Spaß. Bei all der Schwere, die uns tagtäglich - mal mehr und mal weniger - umgibt - ist es sehr schön, auch gemeinsam herumzuflachsen. Natürlich verlasse ich die Klinik zu spät und mache mich auf den Weg zur Schule des kleinen Kindeleins  und komme - wie immer - gerade semipünktlich. Wir beide fahren ins Kirchencafe, obwohl die große Schwester heute kein Tanztraining um die Ecke hat, weshalb wir da normalerweise auf sie warten. Nach einer kleinen Kaffee- und Kuchenstärkung machen wir uns auf den Weg in die Fußgängerzone des einen Stadtteils, um dem großen Kindelein die ersten Nylonstrümpfe zu kaufen, da nächstens eine Nichtenkonfirmation ansteht. Das kleine Kindelein sollte auch eine bekommen - beide haben bereits passende Kleider - aber für sie gab es keine. Also müssen wir nächstens noch in die Fußgängerzone des anderen Stadtteils. Zuhause angekommen, bequatschen HerrNebeL und ich, ob, wann, wo und wie wir nun ein neues altes Auto kaufen oder nicht. Zudem telefoniere ich mit dem Stiefvater, der im Krankenhaus ist, um neue Infos zur anstehenden Chemotherapie zu bekommen. Dann blogge ich schnell, bevor meine Frendin mich einsammelt, und wir in die Stadt  zum allmonatlichen Stammtisch der nicht mehr aktiven Hockeydamen des einen Stadtteils fahren. Hier löste sich kürzlich die Damenmannschaft auf, in der ich  rund 25  viele Jahre spielte. Um uns aber nicht aus den Augen zu verlieren, richteten wir den Stammtisch ein. Hier werde ich gleich auf manch eine in der Twittertimeline zum #freitagabendalk anstoßen - allerdings ohne dass die Menschen im reallife das merken werden. Schon auch irgendwie so ein klein wenig spacig - aber schön ;-). Ich hoffe, dass ich noch vor Ende des Tages im Bett sein werde - da ich ja morgen bis mittags arbeiten muss. In dem Sinne: einen schönen Freitag Abend!

Dienstag, 2. Mai 2017

Vom Fühlen und Gehen

Ich bin meisterhaft im Nicht Fühlen. Nicht Fühlen der Gefühle, die mir in meinem tiefen Inneren teilweise durchaus bewusst sind. Oder besser der Gefühle, deren Existenz auf meiner Verstandesebene logisch erscheinen. Deren Daseinsberichtigung absolut unzweifelhaft ist. Ich kann sogar heute oft manchmal diese auch recht genau zur Sprache bringen: Ich weiß, da ist Traurigkeit. Ich weiß, da ist Verzweiflung. Enttäuschung. Niedergeschlagenheit.Trauer. Angst. Aber das Wissen um ebendiese Gefühle bedeutet noch lange nicht, dass sie für mich spürbar sind. Der Verstand mag sehen und verstehen, vielleicht. Aber das Gefühl findet keinen Raum in mir. Es strömt und fließt nicht in meine Mitte, breitet sich nicht aus, sondern es verharrt verkapselt in irgendeinem hinterletzten Winkelchen meines Selbst. Ich trage es zumeist stillschweigend mit mir herum. Selbst wenn ich hier und da sagen kann, dass ich traurig bin, so bleibt das Innen seltsam unberührt, beherrscht, abwesend, kalt. Auch wenn das Wissen um diese Traurigkeit da ist - ich fühle sie nicht. 
So könnte man annehmen, ich sei gemeinhin ein eher kalter, wenig empathischer Mensch.Wie sollte ich, wenn ich meine eigenen Gefühle verschlossen in mir herumtrage, in der Lage sein, anderen Menschen empathisch zu begegnen?  Die Empathie jedoch liegt in dem Erspüren und Nachempfinden der Gefühle, die nicht die Meinen sind. Ich kann sehr nah dran sein an Anderen, kann deren Gefühle mitfühlen, mitweinen,sie trösten oder aufbauen, mich hineinversetzen in sie, versprachlichen, wenn ihnen die Worte fehlen. Das Spüren liegt hier im Außen. Das kann ich gut. Im Inneren jedoch bleibt zumeist eine große Distanz zwischen dem, was ich vielleicht weiß und dem, was ich fühle. Manchmal jedoch ist es auch heute noch so, dass ich lange nicht weiß, was fein säuberlich verpackt irgendwo in mir schlummert, bis irgendwann ein Zipfelchen davon angerührt wird, und mein Verstand zu folgen vermag. Aber auch das gelingt heute oft nicht. Da sind wenig Räume, in denen diese Gefühle in der Lage sind, sich auszubreiten. Es sind diese schmerzlichen, die mich zu verzehren drohen, die mir den Boden unter den Füßen rauben, die die Kontrolle des Verstandes auszuschalten in der Lage sind und mich überfluten könnten. Nach wie vor traue ich mir selber wohl nicht über den Weg, dies aushalten zu können. Eine Frage von Willen ist das allerdings nicht. Ich würde beispielsweise  gerne weinen und spüren können, wie traurig ich bin über den unausweichlichen, drohenden Tod des Stiefvaters, mit dem ich mehr Zeit meines Lebens eng verbracht habe als mit meinem Vater, um einfach mal ein bisschen Last abzugeben - auch wenn ich genau weiß, dass sich die Grundsituation dadurch nicht verändern wird. Es stellt sich so nie ein Gefühl von Befreiung ein, weil die Traurigkeit weiter in mir wohnt und wächst - wie so manch anderes verborgenes, getragenes Gefühl eben auch. Neben den fehlenden Räumen, in denen ich Zugang zu meinem Gefühlen finde - oder sie zu mir - sind die Räume, die potentielle Räume sein könnten - zumindest auf Verstandesebene Sorgen versprachlicht loszuwerden - in der Regel belegt. Belegt mit den Gefühlen und Sorgen derer, die mir nahestehen. Zweifelsohne bin ich gerne da, höre, spüre und bespreche das, was nicht Meines ist. Diesen Raum zu beanspruchen auch für mich, bin ich jedoch nicht in der Lage. Oft, sehr oft, fühlt es sich falsch an. Fehlplatzig. Vor allem auch dann, wenn der Raum schon so belegt ist. Zweifelsohne ist es mir fremd, bewusst Raum zu beanspruchen, Raum oder Platz zu nehmen, wie es zumeist auch überhaupt schwierig für mich ist, zu nehmen. Geben liegt mir einfach mehr. Und auch, wenn da so manches Mal Signale sind, die mir ein Stück weit Raum für mich aufzeigen, umschiffe ich sie gekonnt. Weil das Gewohnte sich eben auf ausgetretenen Pfaden bewegt und sich nur schwerlich auf die zugewucherten Seitenwege wagt. Wobei ich rückblickend sicher sagen muss, dass sich schon so manche zugewucherten Wege zu ganz passabel durchgängigen, lichten Alleen gewandelt haben. Wer weiss, wann die Bewusstheit mir auch in diesem Punkt irgendwann den Seitenweg aufzeigt, dem ich nicht mehr ausweichen kann. Oder möchte.

Montag, 17. April 2017

Ferienstart

An einem der ersten gemeinsamen Ferientage ging die NebeL Familie in den Wald, ein wenig spazieren und geocachen. So ein wunderschönes hellgrün war an vielen Stellen zu sehen, es duftete nach Frühling und Frühlingsregen und war - trotz Stadtnähe -  schön still...


Unterwegs waren gar nicht so viele Menschen, eine kleine Reitergruppe mit Kindern, einige wenige  Menschen mit Hunden und eine Familie - noch dazu der Konrekor und Deutschlehrer des großen Kindeleins. Ein sehr netter und engagierter Mann, den wir alle sehr mögen. Tatsächlich hat er aber ein klein wenig fragend geschaut, aus wir bei deren Auftauchen - sie kamen um eine Ecke gebogen - ein kleines Logbuch sowie eine Dose schnell verschwinden ließen und ganz unschuldig taten - denn vermutlich handelte es sich bei ihm um einen "Geochache - Muggel"... Nach kurzer Begrüßung gingen die drei weiter. Als die Familie außer Sichtweise war, wurde dann weiter geloggt und die Dose wieder an Ort und Stelle versteckt.
Das kleine Kindelein findet geocachen eigentlich nicht so spannend. Zumindest, wenn man zu Hause plant und darüber redet, bald zum Geocachen aufzubrechen. Aber wehe, wir sind im Wald und der Cache ist nah! Oft ist sie die erste, die losläuft und sie fand an diesem Tag zwei von vier Caches. Und war sehr glücklich. Naja, fast... Wir Großen und das größere Kindelein haben einen Stempel, mit dem wir unseren Besuch "loggen". Beim ersten Cache war das kleinere Kindelein schon enttäuscht,dass sie eben keinen solchen besitzt.

Ob hier wohl was versteckt ist?





Auf dem Heimweg kamen wir hier vorbei, man kann prima die Lichtung im Bild hinten links sehen. Dort starten häufig  - wenn denn die thermischen Bedingungen das zulassen - Paraglyder, nur wenige Autominuten von der großen Stadt entfernt.


Und ein Stückchen weiter rechts sieht man diese beiden Wassertürme, in deren Nähe unser Haus steht. 


Ganz nah beim Auto fanden wir dann diese beiden netten Schilder, das eine verwachsen im alten Baum....


.... und das andere - ein zwar offizielles, aber veraltetes Wanderparkplatzschild. 1992 wurde das Bild darauf eigentlich ersetzt durch zwei Strichmännchen - Wanderer. Aber ich mag dies hier viel lieber.

Am Ende haben wir vier Dosen gehoben und zusätzlich nochmal zwei -die wir bereits beim letzten Mal fanden - nochmals besucht, um Bonus Koordinaten zu notieren, damit wir bald den Bonus Cache zu dieser Runde auch noch suchen können.

Mittwoch, 5. April 2017

Vom Vergessen

Es kam schleichend, das Vergessen. Gespräche wurden mehrmals geführt. Gehörtes vergessen. Aber nun, sie wird älter, dachte ich. Die Brille war hier und da. Aber - war meine das nicht auch allzu oft schon? Fragte ich doch so häufig früher (bevor ich die geliebte, obergemütliche superverglaste Brille hatte) HerrnNebeL, wo denn meine Brille sei. Ganz normal vielleicht?!
Dann kamen die Zettel. Mal hier und mal da. Der Kalender nahm an Wichtigkeit zu. Die Zettel auch. Manchmal auch mehrere Zettel zu ein und demselben Thema. Und - wundersamerweise verschwanden auch die Zettel. Und weiterhin die Brillen. Gezogene Parkscheine verschwanden auch - und sie musste mehr als mehrmals den Tagessatz an Parkgebühr zahlen. Aber ich doch auch schon mal. Das kann ja mal passieren. Oder? 
Irgendwann war das Schönreden nicht mehr möglich. Und ganz eigentlich wussten wir schon lange, dass es ein Schönreden war. Heute vergisst sie, das Licht zu löschen. Überall. Vergisst, die Garage zu schließen. Vergißt Termine, trotz Kalender. Trotz Zetteln. Nicht immer. Aber immer wieder. Gespräche werden zur kaputten Schallplatte. Mal mehr, mal weniger. Wenn sie ein Kindelein einsammeln soll, kann ich mich nicht mehr darauf verlassen. Ich rufe sie vorher an, bitte sie, noch dies und das mitzunehmen, wenn sie das Kind irgendwo abholt, kurz bevor sie fahren muss. 
Geschenke, die sie verstaut, bevor der Anlass des Schenkens da ist, sind oftmals verschollen. 
Die Zusammenstellung der Wäsche hat sich verändert. Kaum mehr Ordnung, ein ziemliches Durcheinander. Sie wäscht seit jeher viel, auch für uns. Jeder Widerstand war zwecklos. Heute aber verursacht das phasenweise mehr Chaos als alles andere. Manchmal wäscht sie ohne Waschmittel. Manchmal vergisst sie, die Wäsche einzuschalten. Und faltet später die "frische", jedoch die de facto ungewaschene Wäsche wieder zusammen. Manchmal ist aber auch alles gut. 
Ein großer Teil ihrer Tage besteht manchmal aus Suchen. Und wenn ein Ding aufgetaucht ist, so sucht sie das nächste.
Manchmal weiss sie selber, dass sie vergisst. Aber auch sie redet es sich schön. Bagatellisiert. Verdenken kann ich es ihr nicht. In solchen Momenten bin ich ehrlich, aber nicht schonungslos. In den meisten anderen Momenten ist alles, wie es ist. Ich konfrontiere nicht. Ich diskutiere nicht, ich gehe mit ihr, trage ein Stück Alltag in unserem Zusammenleben. Lösche die Lichter, kontrolliere manche Stelle, wasche und falte erneut, nehme Geschenke an mich und verstaue für sie. 
Noch ist sie nicht allein, noch hat ihr Alltag Struktur, noch ist ihr Mann nahezu immer da. Aber das wird sich ändern. Vielleicht ganz bald, vielleicht ein wenig später. Ich fürchte mich sowieso vor dieser Zeit. 
Aber die Zeit danach fürchte ich wohl erst recht - in der Annahme, dass das Vergessen dann noch mehr Vergessen sein wird, als es heute bereits ist.

WMDEDGT - April 2017

FrauBrüllen fragt wieder: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?" Mein Tag sieht heute so aus:

Ein normaler Arbeits- und Schultag im Hause NebeL. Der erste Wecker klingelt um 05:40, der letzte um 06:13. Nach der allgemeinen Morgenroutine verlässt das große Kindelein das Haus um sieben, ich folge ihr kurz danach und lade den Kofferraum voll mit Leergut. Um 07:20 stehe ich vor dem hiesigen Getränkeladen - der leider nicht wie der REWE, zu dem er gehört, bereits um 07:00 Uhr öffnet. Also fahre ich unverrichteter Dinge wieder ab in Richtung meiner Arbeitsstelle. Währenddessen wird HerrNebeL aufgebrochen sein, das kleine Mädchen zur Schule zu fahren. Ich kehre beim Bäcker ein, kaufe ein Laugengebäck und fahre dann durch Wald und Feld in die 20 km entfernte Stadt zur Klinik. Immer wieder genieße ich diese Fahrt, vor allem im Morgenlicht mit leicht aufsteigenden Nebeln. Ich überlege kurz, ein Foto zu schießen, aber an den Stellen wo es schön ist, bietet sich leider kaum eine Gelegenheit, anzuhalten. Also kein Foto für Sie :-). An der Ampel stehend versuche ich die mich seit einiger Zeit begleitende kleine Spinne nach draussen zu bugsieren, was zum wiederholten Mal leider nicht gelingt. Also bleibt sie weiterhin meine kleine Begleiterin. In der Klinik angekommen, kümmere ich mich zunächst um neue Arbeitskleidung für die Kolleginnen, die ihr Büro in meiner Nähe haben und mich. Die Wäschekammer ist nur begrenzt geöffnet und jeder kümmert sich mal darum.  Anschließend checke ich meinen Dienstplan: die zu behandelnden Patienten werden größtenteils von einem zentralen Planungsbüro auf die Kolleginnen verteilt. Heute kenne ich bis auf eine Dame alle Patienten und bereite die Therapiematerialien für den Tag vor. Die Zeit auf meiner Station muss ich selber in einem separaten Programm verplanen, was ich anschließend ebenfalls tue. Dann ist es Zeit, den ersten Kaffee zu machen, kurz mit Kolleginnen zu quatschen und nach oben auf die Station zu gehen. Der Stationsalltag startet dann mit einer ersten Besprechung zwischen Ärzten, Pflege und den Therapeuten aus verschiedenen Therapiebereichen. Am Vormittag behandele ich heute 6 Patienten, wobei sich herausstellt, dass die Ehefrau eines Patienten mit meiner Tante zur Schule gegangen sein muss. Das besonders Schöne daran ist, dass der Patient in der Lage ist, mir dies vollkommen verständlich mitzuteilen - obwohl er vor wenigen Wochen nichts weiter als "ja" zu sagen vermochte. 
Meine Mittagspause verbringe ich heute allein, da ich dringend einen Patienten beim Mittagessen begleiten muss und dies in dem Fall erst um 12:30 möglich ist. Ich stelle fest, dass es durchaus auch etwas für sich hat, beim Essen alleine im stillen Teamraum zu sitzen. Am Nachmittag folgen noch 4 weitere Patientenbehandlungen. Zwischendurch bereite ich noch etwas für den nahenden Abschied des Oberarztes vor. Zum Feierabend hin dokumentiere ich Verschiedenes, desinfiziere ein Kommunikationsgerät, was ich an einen Patienten ausgeliehen hatte und ziehe mich um. Wieder einmal gelingt es mir nicht so recht, die Klinik pünktlich zu verlassen - ich wundere mich wirklich oft über manche Kollegin, die 5-10 Minuten vor Dienstschluss umgezogen ist und quasi nur darauf wartet, das Haus zu verlassen. Oder es verlässt. Nun ja. So muss ich mich wieder beeilen - ich fahre wieder zurück durch Wald und Felder, komme an meinem Zuhause vorbei, düse aber weiter zur Schule des kleineren Mädchens. Meist ist das die Zeit am Tag, in der ich ein klein wenig abbaue und sehr müde werde. Es sei denn, es zeichnet sich ab, dass ich spät dran bin - dann bin ich eher aufgeregt. Während der Fahrt krabbelt wieder mein blinder Passagier über die innere Windschutzscheibe. Für eine weitere Rettungsaktion bleibt keine Zeit. Morgen vielleicht wieder. Ich komme fast pünktlich an der Schule an und sammele das Kindelein ein. Da das große Kind den Bus verpasst hat, besorgen das kleine Kind und ich drei kleine Eisbecher und fahren zum Mittwochstreffpunkt mit dem großen Kind - ihre Busstrecke liegt auf meinem Weg und so steigt sie aus, um mit uns gemeinsam heim zu fahren. Um zwanzig vor fünf sind wir zu Hause. Ein Kind geht draussen schaukeln, das andere Kind schnappt sich die angekommene Geolino Zeitung und liest. Ich trinke kurz einen Kaffee bei meinen Eltern. Meist bin ich ein wenig in Hab acht Stellung - wie auch heute - wenn ich heimkomme, weil sich immer wieder kleinere und größere Sorgendinge abzeichnen. Wie beispielsweise "frisch" zusammengefaltete, aber ungewaschene Wäsche. Verloren gegangene Verlegte  Geldbörsen, Parkscheine, Brillen oder Handtaschen sind sowieso an der Tagesordnung. Heute scheint alles gut bislang. Der Stiefvater war bereits unterwegs zur Bestrahlung, und die Mutter wird  um halb sechs von einer Freundin zum auswärtigen Abendessen abgeholt . Anschliessend fahre ich noch schnell los, das Leergut loszuwerden und Getränke für die Eltern zu besorgen. Das große Kind beginnt, ein Bananenbrot nach einem im Geolino entdeckten Rezept zu backen; das  kleine Kind verschwindet unter der Dusche. Mittendrin kommt HerrNebeL heim, es tönt etwa 12-14 23 Mal "Mama" oder "Mima" aus verschiedenen Räumen mit verschiedenen Anliegen.  Ich beschließe, dass es zum Abendessen eine Brotzeit gibt - mittwochs ist einer der wenigen Wochentage, an denen es zeitlich auch möglich wäre zu kochen - das passt meist aufgrund der diversen Nachmittagstermine nämlich nicht. Nach dem Abendessen wird HerrNebeL zum Sport gehen, ich werde irgendwie drei Tage zu je neun Stunden Kinderbetreuung für die nächste Woche organisieren müssen, weil die Kinder dann bereits Ferien haben - wir Eltern allerdings noch nicht. DIe Kinder werden von mir zu Bett gebracht, was heisst, dass ich eine Weile lang neben dem kleineren Mädchen liegen werde, bis sie eingeschlafen ist. Sollte ich dabei nicht selber einschlafen, gehe ich auch noch eine Weile zum großen Mädchen ins Bett.  Danach wird mich mein Sofa rufen - dank englischer Woche mit Fußball. Allerdings muss ich noch entscheiden, welches Spiel ich ansehen werde, da meine Favoriten bereits gestern gespielt haben. Irgendwann zwischen vermutlich 23:00 und 01:00 Uhr werde ich mit dem aktuellen Hörbuch einschlafen.

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Dienstag, 28. März 2017

Yogi Tee

Ich trank heute abend mit einer lieben Freundin einen Yogi Tee. Die Freundin und ich kennen uns nun seit 33 Jahren; zuerst begegneten wir uns mit neun, als wir gemeinsam drei Wochen im Sommer ins Zeltlager fuhren. Und fortan führte das Leben uns immer wieder zueinander, wenn unsere Wege sich getrennt hatten. Eine Weile nach dem Zeltlager besuchten wir dieselbe Schule in veschiedenen Jahrgängen. Es folgten weitere Zeltlager. Im jungen Erwachsenenalter fuhren wir als Gruppenleiter mit selbiger Organisation wieder ins Zeltlager. Jahre später trafen wir uns an der Uni in einer nahen großen Stadt wieder. Und studierten dasselbe in unterschiedlichen Semestern. Und noch viele Jahre später begann sie dort zu arbeiten, wo ich bereits eine Weile arbeitete und seither sind wir neben unserer Freundschaft auch Kolleginnen. 
Eine sehr bedeutsame Zeit in unserer Freundschaft war die Zeit, wo wir uns regelmäßig in einem Restaurant sahen. Ein klitzekleines indisches, mit wenigen Tischen, mitten im "Viertel". Sie arbeitete dort - und ich saß an der Theke und trank Yogi Tee. Wenn es ruhig war, hatten wir viel Zeit, miteinander zu reden, während sie Getränke bereitete oder Gläser polierte. Oft aber war es voll, was allerdings in keiner Form schlimm war. Ich war gerne dort, war nicht allein. Und ich hatte immer ein Blanko Buch dabei. Und schrieb. Ich schrieb viel zu der Zeit, so wie ich gerne schreibe. Worte, die scheinbar ohne Umwege über ein bewusstes Denken auf das Papier fließen. Worte, die ordnen. Worte, die mich mir näherbringen, wenn ich sie lese. Manchmal, damals auf jeden Fall, jedoch auch Worte, die mich selber bestürzten. Ich schrieb Dinge, die ich nicht zu denken wagte, Dinge, die ich nicht hätte benennen können. Schreibend fanden sie ihren Weg, den ich ihnen sprechend und auch denkend nicht geben konnte. Es war gut, in einem Rahmen schreiben zu können, der Struktur und Normalität gab, inmitten von Menschen, nahe an einer lieben Freundin. Wohlmöglich hätte ich mich sonst all zu oft verloren in dem Dunkel der Zeilen. Es waren schwere Zeiten. Meine Freundin war da. Immer. Und immer gab es diesen Tee dazu, der nur dort so schmeckte. Und heute schmeckte er noch ganz genauso - dasselbe Restaurant, an anderer Stelle, dieselben Leute, die ihn kochten. Und er ist so ein ganz zarter, dennoch bestimmter und vertrauter Seelenpfleger, dass es mir nun ganz warm ums Herz ist.

Sonntag, 26. März 2017

Kindermusik

Das große Kind verbrachte sein Wochenende auf der Freusburg. Eine frühmittelalterliche Burg im Siegerland, die seit vielen Jahren als Jugendherberge genutzt wird. Zum ersten Mal durfte sie an der Orchesterfahrt des Schulorchesters, dem sie seit etwa 1 1/2 Jahren angehört, teilnehmen. Sie kam mit sehr müden, aber leuchtenden Augen heim. Vier bis fünf Proben gab es am Tag und nebenher einen gemeinsamen langen Spaziergang, bunte Abende und viel Beisammensein. Wie sich das gehört, gab es für die zum ersten Mal teilnehmenden Mitglieder auch eine Taufe - was die Tüte nasser Anziehsachen im Koffer erklärt. Neben der Müdigkeit gabs noch leichte, weitere Blessuren - die Lippen des Kindes sind so viel Klarinettenspielerei am Tag nicht gewöhnt. Zudem war sie kaum vorher auf eine etwas höhere Blättchenstärke umgestiegen, was das Anblasen wohl auch verändert (fragen Sie nicht. Ich bin mehr der Streicher). Diese Fahrt bestätigte, was das Kindelein schon vorher erklärte: das gemeinsame Musizieren gefällt ihr momentan viel, viel mehr als der Unterricht. Und es fordert sie mehr. In der derzeitiegen Musikschule gibt es aber keine Gelegenheit zu gemeinsamem Spiel, kein Ensemble, kein Orchester. So haben wir uns spätestens heute nahezu komplett entschlossen, die Musikschule zu wechseln. Und ich hoffe sehr, dass es dem Kind wieder mehr Laune auch am Spielen allein zurückbringt. 
Ich weiss nicht mal mehr genau, seit wann sie Klarinette spielt, ich meine sie war neun, als sie begann. Wir hatten uns schon lange gewünscht, dass sie musiziert, vowiegend um einen alternativen Weg zu haben, Emotionen fließen zu lassen, auszudrücken. Natürlich auch der Wunsch, dass sie wirklich Spaß gewinnt an der Musik. Klarinette hat sie sich selber ausgesucht und wich nicht davon ab, auch nicht bei vielen Überredungsversuchen seitens der Großeltern, erst mit Blockflöte zu beginnen (die komplette Familie spielt außer der Piccolo Flöte wohl insgesamt alle Blockflötenarten). Letzlich kaufte sie sich damals einfach eine Flöte von ihrem Taschengeld mit dem Ziel, dass einfach mal alleine für sich zu machen und verfolgte den Klarinettenwunsch weiter, bis ein Platz frei wurde. Sie spielte tatsächlich eine Weile Blockflöte für sich und mit den Großeltern, bis dann die Klarinette irgendwann die einzige wurde.  Sehr schnell zeigte sich unserer Meinung nach eine ordentliche Musikalität, vor allem ein wahnsinniges Rhythmusgefühl. Die Stellen, die ich bereits mitzählen musste, gelangen dem Kind einfach so. Kein Zählen, kein Tippen mit dem Fuß, nichts. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sie das macht. Sie liest die Noten - und spielt. Und ist im Takt. Und das ist bei zunehmender Komplexität der ganzen Geschichte irgendwie noch immer so. Sie scheint die Noten zu lesen wie ein Buch, sie zu verinnerlichen und wieder nach außen in die Klarinette zu bringen. Komplett bewundernswert. Seit längerer Zeit komme ich nicht mehr in den Genuß, das hier daheim zu hören - denn sie übt nicht. Nahezu nie. Nicht, weil sie es jetzt so gar nicht mehr mögen würde, sondern weil sie in der Regel all das kann, was ihr Lehrer von ihr fordert. Als ich ihn nach  der zweiten gemeinsamen Stunde (es gab einen Lehrerwechsel, weil der erste Lehrer nach seinem Studium zurück in die Heimat Korea ging) traf, begrüßte er mich mit den Worten: "Sie ist gut!" Das ist zweifelsohen schön zu hören - viel wichtiger jedoch ist mir, dass es ihr auch Spaß macht. Und das scheint einfach seit einer Weile im Unterricht nicht mehr so zu sein, auch wenn sie ihren Lehrer mag. Darum nun der Schritt in eine neue Schule - nachdem das Kindelein schon mehrfach versucht hat, Wünsche für den Unterricht zu äußern, die leider irgendwo verpufften. Und das, was ihr eben wirklich viel bedeutet, das gemeinsame Musizieren mit anderen, kann diese Musikschule nicht leisten. Zeit für Veränderung. Dieser Tage werden wir uns mal eine Unterrichtsstunde dort ansehen. Ich bin gespannt.
Das kleine Kindelein wünschte sich seit Wochen den Besuch des hiesigen Familienmusikfestes, auf dem diverse Instrumente - neben viel weiterem Programm des hiesigen Sinfonieorchesters - ausprobiert werden konnten. Zu Beginn jedoch ging gar nichts. Mal hier schauen, dort schauen. Aber sie fasste weder ein Instrument an, noch probierte sie es irgendwie aus. Nach dem Besuch einer Musikmärchenvorstellung gingen wir zum zweiten Mal in den Raum der Blechbläser, in dem ein Saxophonlehrer (Blechbläser? Ist das nicht auch ein Holzblasinstrument mit Blättchen am Mundstück?!) das Kind offensiv ansprach und zum Handeln brachte - und zack, hing ein kleines Saxophon um ihren Hals, dem sie einigen Töne entlockte. So war der Knoten geplatzt und sie testete noch die Gitarre, die Geige und das Cello. Heraus kristallisierten sich zwei Favoriten: Gitarre und Cello. So werden wir nächste Woche davon auch Unterrichtsstunden ansehen. Das Großartige daran ist, dass uns gegenüber eine Zweigstelle dieser Musikschule ist, in der beide Instrumente unterrichtet werden. Nachfrage für Klarinettenunterricht gibt es hier leider keinen, sodass das große Kind weiterhin mit dem Bus in die Innenstadt fahren müsste. Auch hier bin ich sehr gespannt, für welches Instrument das kleinere Kind sich entscheiden würde. Und ob dann am Ende der Wunsch nach mehr Tanztraining in der Woche oder das Musikinstrument gewinnen wird.

Samstag, 25. März 2017

Geburtstags- und Zeitdinge

Das grosse Kindelein feierte diesen Monat seinen Geburtstag. Zwölf Jahre ist sie bei uns, bereichert unseren Alltag und lässt mich oft staunen. Die Art der Geschenke wandelt sich mehr und mehr - allerdings war dieses Mal sogar wieder eine Art Spielzeug (Disko Roller) dabei. Ansonsten aber finden sich vorwiegend Wünsche nach Kosmetika, Kleidung und praktischen Dingen. Glücklicherweise wusste ich schon im Vorhinein, dass ihr der Stoff und der Schnitt des diesmal produzierten Nähteiles auf jeden Fall sehr gefallen. Es ist mit zunehmendem Alter der Kinder tatsächlich nicht mehr so leicht, selbige ohne explizite Stoff- und Schnittwünsche zu benähen. Aber es hat dieses Mal funktioniert:
Das große Mädchen bekam diesen Pulli - wie neulich erwähnt - in Größe 38, das kleinere Mädchen den gleichen in 152:

Wie jedes Jahr gab es den morgendlichen Geburtstagskranz - in Ermangelung ausreichender Plätze für die Kerzen - jedoch nur jeweils eine für zwei Lebensjahre.





Der Nachmittag gestaltete sich wie alle Geburtstagsnachmittage mit der Familie. Was etwas schwieriger geworden ist, seit wir unser Schlafzimmer in den Wohnraum verlagert haben. Vor allem  dank Patchworkfamilie, sind wir eben doch eine ganze Menge Menschen. Wenn auch nicht mal alle da waren.  

Wie groß die Kinder geworden sind, fiel mir heute nochmals auf - das große Nichtenkind feierte seinen 14. Geburtstag. Hier wird inzwischen ausschließlich Geld gewünscht, was das Nichtenkind zumeist in Pferdekram investiert. Sie teilt sich das Hobby mit dem Pferd-besitzenden leiblichen Opa und ist in vielen freien Minuten am Stall anzutreffen.

Es scheint manchmal, als sei kaum Zeit vergangen, seit die beiden auf der Welt sind. Und andererseits ist es für mich nicht mehr vorstellbar, wie es jemals ein Leben ohne meine Kinder gegeben hat. Es ist so selbstverständlich, so klar, dass sie da sind, als wäre es niemals anders gewesen. Erinnerlich ist mit die kinderlose Zeit zweifelsohne, und dennoch kann ich es mir kaum mehr vorstellen, dass es wirklich eine Zeit ohne sie gab.  Noch sind sie nah dran an mir, und ich an ihnen, auch wenn sie weiterhin selbständiger werden und ihre Wege gehen. Wer weiß, wie es einst wird, wenn sie diese Wege gänzlich ohne mich meistern werden - und mich hoffentlich im Kopf und Herzen als "immer für sie da seiend" wahrnehmen. Sie schreitet so ungeheuer schnell voran, die Zeit. Als seien diese zwölf Jahre mit der Erstgeborenen kaum mehr als ein paar Augenblicksblinzler gewesen.
Tatsächlich sind das solche Momente, die man sich als junger Mensch kaum vorstellen kann - wenn ein älterer - oder ein ganz alter erst recht - Mensch davon spricht, wie die Zeit rast. Seit einigen Jahren rast sie wirklich. Und ich bin sicher, sie wird es noch mehr tun, je mehr von ihr verstreicht.

Diese beiden Geburtstage waren der Auftakt des Geburtstagsmarathons im Frühling. Morgen folgt der Schwiegervater (der zum eigentlichen Geburtstag immer ausgeflogen ist, aber morgen wird nachgefeiert), dann folgen die Tante, HerrNebeL, mein Stiefvater und ich. Kurz darauf die Schwiegermutter, dann das kleine Nichtenkind und einen Monat später unser kleineres Mädchen. Und dann ist familientechisch erst mal wieder eine Weile Pause bis in den Herbst. Wir treffen uns also von Ende März bis Anfang Juli quasi ständig. In diesem Jahr mit der immer wieder aufblitzenden Frage, ob dies wohlmöglich die jeweils letzten erlebten Geburtstage des Stiefvaters werden, der seit letzten Herbst palliativ aufgrund einer Krebserkrankung behandelt wird. Wieder die Zeit... Egal, wieviel ihm noch bleibt, ich weiß, sie wird rasen. Vemutlich hat man am Ende niemals genug Zeit gehabt. Gedanken, die immer wieder durchblitzen - obwohl ich eigentlich versuche, den Moment zu sehen, zu leben und mitzunehmen. Das ist nicht immer einfach, auch dann nicht, wenn ich eigentlich dankbar sein müsste, für die viele Zeit, die er bis hierher hatte. Aber letzlich bleibt auch das am Ende egal, da der Verlust ein Verlust sein wird, der das Leben derer, die zurückbleiben verändern wird. 

Freitag, 10. März 2017

Gewohnheiten, Veränderungen und Ärzte

Ich bin wohl sowas wie ein Gewohnheitsmensch. Ich mag Gewohnheiten. Und bin manchmal sehr unentspannt, wenn Gewohnheiten durchkreuzt werden. Sie geben meinem Alltag sowas wie Sicherheit, Eckdaten, willkommene, weil wohlbekannte Gefühle. Mag sein, dass ich da an mancheer Stelle vielleicht so ein klitzeklein wenig zu gewohnheitslastig bin - aber nun.
Zu solchen Gewohnheiten  gehören beispielsweise "mein Platz" oder "meine Plätze" an wiederkehrenden Orten. Bei der Arbeit sind das beispielsweise der Stuhl im Teamraum, der im Stationszimmer, der in der Bibliothek. Die können möglicherweise variieren zu verschiedenen Anlässen. Morgens sitz ich oft in der Nähe der Kaffeemaschine, wenn ich mich denn dann in den Teamraum setze, mittags aber immer, IMMER am anderen Ende des Tischs. Und wenn ich später als andere komme, und mein Platz ist besetzt, bin ich unentspannt. Zögere, stehe Stunden Bruchteile von Sekunden schwer getroffen nachdenkend herum - und setz mich dann woanders hin. Übellaunig, weil: so geht das nicht, hier fühlt sich alles, ALLES falsch an. Falscher Blickwinkel, falsche Sitznachbarn, falsches Karma, falsche Sauerstoffzusammensetzung, sowas. Glücklicherweise achten die meisten Kolleginnen unausgesprochen tatsächlich darauf, dass mein Platz frei ist. Warum und wieso sei dahingestellt- eingefordert hab ich das nicht. Aber manch andere Kollegin hat auch "ihren Platz". Allerdings stehen die nicht drölfzig Sekunden komisch rum, wenn der mal belegt ist. 
In der Frühbesprechung auf Station ist es ähnlich, aber nicht ganz so schlimm. Aber wenn ich woanders sitze als gewohnt, fängt der Arbeitstag "unrund" an. Komme ich allerdings zwischendurch mal ins Stationszimmer und setze mich, ist mit der Platz tatsächlich völlig egal. Aber das "mal eben zwischendurch" ist in keiner Form so strukturgebend wie Besprechnungen oder Pausen.
Am allerliebsten habe ich auch "meine" Parkplätze auf den Parkplätzen der gewohnten Supermärkte. Tendenziell viel weniger schlimm, wenn die belegt sind, aber ich gehe wirklich lieber einkaufen, wenn ich da stehen darf, wo ich am meisten stehe.
Gewohnt ist auch das Mittagessen. Zumindest bei der Arbeit. Am wohlsten fühle ich mich tatsächlich mit einer Tütensuppe - ja, immer dieselbe, und ja, vollkommen indiskutabel kein bisschen gesund - und einem Laugengebäck. Hier gibts allerdings immerhin 3 Varianten in der Sorte. Nachdem mir eine liebe Freundin neulich ganz verstohlen, aber bestimmt einen schriftlichen Tadel  bezüglich ebendieser Fertigprodukte zukommen ließ, habe ich beschlossen, diese Gewohnheit mal ein wenig zu lockern und esse Suppen vor allem an sicherheits- und routinebedürftigen Tagen.  
In mir bekannten Restaurants esse ich prinzipiell dasselbe. Damit ich weiss, was auf mich zukommt und bitte danke auf keinen Fall von irgendetwas überrascht werde. Oder enttäuscht.  Oder beides. Wider dem besseren Wissen, dass es mich durchaus auch positiv überraschen könnte.
Der Alltag ist prinzipiell sowieso gewohnt. Zumindest wochenweise immer dasselbe und dasselbe. Aber auch da bin ich letzlich doch flexibler als bei der Sitzplatzwahl :-).

Für jeden wird an dieser Stelle vorstellbar sein, was ich gar kein bisschen mag: Veränderung. Alles Gewohnte ist vertraut, alle Veränderung erst mal doof. Falsch. Unbehaglich. Unsicher. Bedrohlich - weil: ich kenns ja nicht. Und weil ich das Gewohnte so sehr mag, WILL ich die Veränderung gar nicht erst kennenlernen. Spätestens an dieser Stelle kommt die Krux hinzu - denn so fein es auch ist, sich dank alltäglicher Gewohnheiten durchs Leben zu bewegen, so schwierig ist das allzu starke Fixieren auf ebendiese, weil sich in Wahrheit ja stets etwas verändert. An mancher Stelle bin ich Veränderung wiederum gewöhnt - die Patienten, die ich behandele, befinden sich naturgegeben in einem ständigen Kommen und Gehen. Absolut unproblematisch - das war ja schon immer so und sorgt durchaus auch für willkommene Abwechslung. Aber das Drumherum ist weitestgehend stabil. Natürlich kommen und gehen auch die KollegInnen in regelmäßigen Abständen. Aber zum einen nicht stets und zum anderen ist meistens der ich nenn es mal "innere Kreis" recht stabil.
Meistens. 
Gerade aber  geht mir so ein klein wenig die Flatter. Die Stationsärztin, die ich recht lieb gewonnen habe, mit der ich gerne arbeite, die ich für sehr fähig mit dem Patientengut auf unserer Station umzugehen halte - ach was sie IST einfach fähig - wird in ein paar Tagen gehen. Und ganz abgesehen davon, dass ich sie ihretwegen einfach vermissen werde, wackelt schon jetzt das gewohnheitsliebende-veränderungsablehnende Konstrukt ganz gewaltig - dabei ist sie noch da. Und um es noch ein wenig mehr ins Wanken zu bringen, geht der eben immer schon dagewesene Oberarzt - den ich auch sehr schätze, zweifelsohne, wenn auch ganz anders - in 2,3 Monaten in Rente. Mein kompletter Arbeitsalltag verliert damit derzeit massiv an Stabilität. Der "innere Kreis" verliert wichtigste Mitglieder sowohl für mich persönlich, als sicher auch für die Kollegen und sehr bedeutsam: die Arbeit auf der Station, die ein klein wenig besonders ist, verliert tragende Pfeiler. Und dass ich den Arzt, der vertretungsweise die oberärztlichen Tätigkeiten auf unserer Station übernehmen wird, nicht so wirklich als Sympathieträger bezeichnen würde, machts mir nun nicht einfacher. Ganz davon abgesehen, dass ich kaum glaube, dass es bereits auch nur einen Plan für die Stelle der Stationsärztin gibt.
Dieser Stabilitätsverlust fällt noch dazu auf viele größere und kleinere Baustellen in meinem arbeitsfernen Alltag, die viel Verwirrung, Sorgen und Ängste nach sich ziehen, was die Gesamtsituation nicht gerade verbessert.
Ich schwanke gerade noch ein bisschen zwischen drohender Dekompensation, KopfindenSandstecken, "Alles wird gut" Mantras und hysterischem Dauergelächter.  Hoffen tue ich allerdings dabei insgeheim auf: "Ich mach einfach weiter und such mir neue Gewohnheiten". 
Kann ja nicht so schwer sein. 
Hoffentlich.

Sonntag, 5. März 2017

WMDEDGT - März 2017

Frau Brüllen fragt immer am Fünften des Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?"

Am fürs Wochenende frühen Morgen piekst mich das große Kind unsanft in den Rücken und fragt mich höchst wichtige Dinge - leider waren wir über deren tatsächliche Wichtigkeit sehr unterschiedlicher Meinung. So war ich also wach, obwohl ich noch weiter hätte schlafen wollen. Immerhin hatte ich die Frage, ob sie einem Online Buchreihen Fanclub beitreten könne hinreichend beantwortet. Auch wenn wir da wiederum verschiedener Meinung zu waren...
Nach einem Kaffee schmiss ich mich in den "ich hab heut keinen Termin" - Dress und fuhr rüber zur guten Freundin, um die Katze während ihrer Abwesenheit zu füttern. Als erstes stellte ich fest, dass in ihrem Garten plötzlich ein dicker Baum weniger steht. Damit nicht genug - im Haus hatte irgendwer die Sofas ausgetauscht. Durchaus geschmackvoll sogar :-). Nachdem die Katze gefüttert war, musste ich erst mal via Handy bei der Freundin bemängeln, was alles passiert war - und ein dringendes Treffen verabreden. Offensichtlich haben wir uns schon lange nicht mehr gesehen...
Ich nahm Brötchen mit für fünf, da das kleinere Kind Schlafbesuch hatte. Wir frühstückten in Ruhe und dann verteilten wir uns im Haus. Die beiden kleineren Mädels spielten im Zimmer, das große räumte ihren Schrank auf und sortierte Dinge für den Verkauf auf einem Kindersachenflohmarkt aus. Ich tat dasselbe auf dem Speicher. Zwischendurch ein bisschen Wäsche, anschließend das Abkopieren eines Pullover-Schnittes für beide Mädels - inzwischen in 152 und 38... Puh. Große Kinder... Anschließend schnitt ich die Pullover noch zu. Der Gatte brachte gegen fünf das Besuchskind heim, das große Kind und ich schauten ein wenig Fußball und richteten das Abendessen. Danach brachte ich das kleine Kind, der Gatte das große Kind ins Bett. 
Für das große Kind mussten noch Geburtstagseinladungen gedruckt werden, was natürlich nicht ohne Pannen abging, aber letztlich klappte dank des Gatten Hilfe doch noch alles.
Neben dem Tippen des Posts hier bestellte ich ein letztes Geburtstagsgeschenk fürs große Kindelein - Disco Roller - und schaute "Die Welle", um mal zu sondieren, ob das ein Film fürs große Kindelein ist, oder ob doch erst das Buch hier Einzug hält. Ich vermute eher letztere Reihenfolge. Nun noch ein Schlückchen Wein und ich läute die Bettrunde ein.

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Sonntag, 5. Februar 2017

WMDEDGT - Februar 2017

FrauBrüllen fragt wieder: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?" und ich erzähle von meinem fünften des Monats:

Sonntag - und das ohne jedweden Termin. Als erstes also Ausschlafen für alle. Zwischendurch mit ein wenig Gekuschele vom kleineren Mädchen, die irgendwann nachts zu uns kam und vor dem Aufstehen halt ein Weilchen kuschelt. Irgendwann brechen HerrNebeL und das kleinere Kindelein zum Brötchen holen auf, was ich zum Tisch eindecken nutze. Ein ruhiges gemeinsames Frühstück mit "Sonntagsmusik" - traditionell klassisch, heute war es ein Mozart Klavierkonzert. Der Tag wird gemeinsam in groben Zügen geplant.

Nach dem Frühstück steht als erstes auf dem Plan, den Weihnachtsbaum und die Krippe abzubauen. Dies ist tatsächlich bei uns jedes Jahr erst in der ersten Februar Woche der Fall. Erst werkeln wir zu viert, was sich aber mit der Zeit verlagert, sodass am Ende vier Leute in vier verschiedenen Zimmern räumen (da gestern aufgrund von verschiedenen Terminen und Unternehmungen das meist samstags stattfindenden Räumen und Putzen ausfiel). Das Lustige daran ist, dass  aus ebendiesen vier Räumen  verschiedene Musik zu hören ist (kein bißchen Klassik dieses Mal :-))... Kleines Highlight ist, dass die Mädels mal wieder feststellen, wie gern sie eigentlich das Badezimmer putzen und dass es zu zweit noch mehr Spaß macht (und tatsächlich streitlos geschieht!). Letzlich benötigen wir insgesamt doch mehr Zeit als geplant, sodass wir uns entschließen, nicht mehr - wie oft am Sonntag Nachmittag - zu den Schwiegereltern zu fahren.

Ich erledige zwei kleinere Nähaufträge, die die Kundin prompt bei uns abholt. Wir vier trinken danach  gemeinsam Kaffee und essen Teilchen.

Anschließend erledige ich schonmal die Schnibbelei fürs Abendessen und lese ein Weilchen, während HerrNebeL eine kleine geschäftliche Runde am Rechner einlegt. Ein Kind liest und das andere badet.

Zum Essen gibt es heute gemischtes gebratenes Gemüse und Fisch mit Couscous. Die Mädels zieren sich wie immer und essen nahezu ausschließlich Couscous. Neverending story - gesundes Essen in diese Mädchen zu bekommen ist leider verflixt schwierig. Als ich klein war, war das genau so. Heute esse ich allerdings nahezu alles. Es besteht also noch Hoffnung...

Nach dem Essen holen wir die Sendung mit der Maus nach, und die Mädels verschwinden im Bett. Ich gönne mir noch ein Weinchen und werde nun lesen, HerrNebeL wird sicherlich noch etwas arbeiten.
Alles in allem ein unspektakulärer Sonntag.

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Montag, 23. Januar 2017

Digitale Medienerziehung

Seit einer Weile ist dieses Thema hier ein Dauerbrenner. Genau genommen eigentlich mit dem Einzug eines tablets. Damals waren die Kinder etwa neun und fünf. Das Gerät war deutlich spannender als der Computer. Natürlich wussten die Kinder auch so ein, zwei Dinge, die der Computer kann, keine Frage. Sie hatten Berührung mit youtube Filmchen, die wir auswählten, weil da so schön praktisch manches Kinderbuch verfilmt war oder der kleine Maulwurf immer auf Abruf stand. Oder die Sendung mit der Maus auch abweichend von den Fernsehzeiten lief. Das große Mädchen arbeitete damals bereits selber am Computer mit Antolin oder lernte in der Schule die Grundzüge des Recherchierens. Dass ich einen blog schreibe wussten ebenfalls beide. Aber so richtig interessant wurde die ganze Geschichte erst durch das tablet. Faszinierend dieses Herumgewische und Getippe auf dem Bildschirm, viel größer als auf dem Handy. Und natürlich wussten sie längst, dass das Ding auch ganz hervorragend zum Spielen taugt. Das ein oder andere Spiel wurde installiert, und sie durften darauf spielen. Das Ganze war - und ist immer noch - zeitlich begrenzt. Was immer schon Diskussionsgegenstand war (und heute noch ist).

Das große Kind wechselte zur selben Zeit auf die hohe Schule. Und bekam ihr erstes Handy. Wir leben in der Großstadt, es hat fast nirgends mehr Telefonzellen (tatsächlich kenne ich eine einzige im Innenstadtbereich des einen Stadtteils). In der Schule ist ebenfalls kein Münztelefon wie zu meiner Schulzeit. Da war das Handy nur die logische Konsequenz. Es gab ein klitzekleines, günstiges smartphone mit 2,3 Spielen darauf sowie ein paar Freiminuten und FreiSMS mit derOption des stets möglichen kostenlosen Telefonierens ohne Verbrauch des  Minutenkontingentes mit uns Eltern. Und Regeln zur Handynutzung (die zum Teil auch von den Schulregeln abwichen. Diese erlauben beispielsweise den Handygebrauch in der Mittagspause. Wir allerdings hatten das bis auf die Ausnahme notwendiger Telefonate verboten). Soweit, so gut erst mal. Auch hier gab es Diskussionen. Über die Nutzungszeit, insbesondere die Spiele betreffend, über den Nutzungsort, den Wunsch der kleinen Schwester, auch mal am Handy spielen zu dürfen. So Klassiker halt.

Nach einer Weile dann gab es Dauerdiskussionen. Über das Nutzenwollen des Internets auf dem Handy. Und vor allem über Nachrichtendienste. Unsere bisherige Meinung dazu war ein klares: "Nein." Das Kind diskutierte dennoch weiter. Was unser "Nein" nicht weiter ins Wanken brachte. Nach und nach aber hatte jedes Kind im Dunstkreis des großen Mädchens einen Nachrichtendienst auf dem Handy. Der bevorzugte Kommunikationsweg war - dieser Nachrichtendienst. Wir blieben erst hart. Redeten mit einigen bekannten Eltern aus diesem Kreis. Es gab kaum jemanden mit unserer Meinung. Kaum jemanden, der die Kinder zu jung fand. Kaum wen, der wusste, dass es eine Altersbegrenzung gibt. Ich wette gar keinen, der die Nutzungsbedingungen komplett richtig verstanden hat was diesen Punkt angeht (inklusive mir selber im Übrigen. Genau lesen und nicht nur überfliegen ist ratsam...). Wir wurden von den meisten Eltern als viel zu streng angesehen. Das aber war nicht der Punkt, das gegebene "Nein" letzlich aufzuweichen. Der Grund war, dass das Kind die Einzige war, die diesen Nachrichtendienst nicht besaß. Was natürlich alle Kameraden wussten. Anstatt sich beispielweise  solidarisch zu zeigen - meinetwegen gegen die strengen Eltern . war das Thema für große Kind im Schulalltag kein Schönes. Sie stand am Rand. Hinzu kam, dass das Kind sowieso schon einen kleinen Sonderstatus in der Klasse hatte - sie war die Jüngste. Nicht die jüngste in ihrem Jahrgng, sondern ein bis zwei Jahrgänge jünger als die Anderen. Und sie war raus, was den schnellen Kommunikationsweg betraf. Und tatsächlich rief keiner mehr an, um sich zu verabreden wie zur Grundschulzeit. Und natürlich fehlten ihr so manche Informationen, die die gesamte Klasse über den Nachrichtendienst verteilte. Und das war der auschlaggebende Punkt. Unsere Prinzipien durchsetzen in dem Wissen, dass das Kind auch deswegen am Rande steht. Dass das Kind schwer Anschluss findet, sowieso schon, aber nun durch den herrschenden Kommunikationsweg noch mehr Schwierigkeiten hat. Und so wurde aus dem klaren "Nein" ein "Ja." Mit Regeln. Sie nutzt den Nachrichtendienst seitdem. Allerdings nicht komplett alleine beziehungsweise nicht komplett ohne Kontrolle. In regelmäßigen Abständen schauen wir uns ihre Verläufe an. Nicht, um ihre Privatgespräche zu lesen. Sondern um zu kontrollieren, ob sie es schafft, verantwortungsvoll mit diesem Medium umzugehen. Es gab bereits sehr unschöne Dinge, zumeist welche, die sie erhielt in  Einzel- und Gruppenchats. Die viel zum Anlass genommen wurden, wieder und wieder über die digitale Welt und ihre Risiken, sowie Verhaltensregeln zu sprechen. Ja, wir entdeckten auch Regelverstöße der Regeln, die wir aufgestellt hatten. Die hatten auch Konsequenzen, aber nicht dahingehend, dass der Nachrichtendienst entfernt wurde.
Heute bin ich an vielen Stellen froh über diesen Kommunikationsweg mit der Tochter. Schon allein, weil ich telefonisch im Büro witzigerweise unerreichbar bin, ausser über das Bürotelefon - dummerweise bin ich ja aber häufig gar nicht im Büro. Und Anrufe zeigt das Festnetzgerät nicht an. Nachrichten via Internet kommen auf dem Handy an. Anrufe und SMS meist nicht. Und wenn, dann kann ich absolut gar nichts verstehen. Das alltägliche "mal eben" Kommunizieren aus dem Bus oder sonstwo, die schnelle Info, dass sie später kommt, was auch immer. Dennoch - so ganz glücklich sind wir damit dennoch nicht. Nach wie vor ist K1 eine Regelbrecherin. Nicht nur beim Nachrichtendienst oder der sonstigen Handynutzung. Auch ganz gern im restlichen Allag. Es sind nie schlimme Brüche, eigentlich auch nur von uns aufgestellte Regeln und keine allgemeingültigen. Beispiele dafür wären das Nutzen eines Profilbildes, auf dem sie deutlich zu erkennen ist. Das Versenden von Kettenbriefen via Nachrichtendienst. Die Nutzung des Handys im Kinderzimmer.  Es ist, was das Handy angeht, nie etwas Gravierendes geschehen. Dennoch wäre mir manchmal wohler, wenn der Kommunikationsweg unter den Kindern anders wäre. Stundenlanges Telefonieren. Zum Spielen abmachen per Telefon. Einfach mal bei der Freundin 5 Häuser weiter vorbeigehen. Aber das liegt ausserhalb meines Einflußbereiches. Was ja aber nicht heißt, dass ich das toll finde, dass alles über das Handy läuft.

So langsam aber kommen weitere Wünsche und weitere Anfragen hinzu. Diese App, jene App, welche App. Manche App hat sie, zur Bearbeiteung von Fotos beispielsweise. Selbst die erst  nach langem Suchen werbefrei. Nach wie vor ist sie mit Abstand das jüngste Kind in der Klasse. Es gibt Kinder darin, die sind schon 14. Unsere ist 11. Da schwirren facebook, Instagram, pinterest, twitter herum. Hier und da. Wir stehen bei einem klaren "Nein." Zum einen, weil ich etwas aufmerksamer gelesen habe. Zum anderen, weil wir hier beschlossen haben, dass vor Vollendung des 16. Lebensjahres keinerlei öffentlichen Netzwerke für die Kinder mit eigenem account zugänglich sein sollen. Aus diversen Gründen. Angst ist ein ganz großer. In verschiedene Richtungen. Vor allem aber fühle ich mich grenzenlos überfordert, dem Kind die nötige Medienkompetenz zu vermitteln, die es meiner Meinung nach zur Nutzung solcher Netzwerke bedarf. Zudem halte ich eine gewisse Reife dazu ebenfalls für unabdingbar. Und nennen wir das Kind mal beim Namen - so pubertierende Teenager sind oftmals weit von reif entfernt, was in der Natur der Sache Pubertät liegt. Keinen eigenen Account besitzen heisst aber nicht, dass ihr der Zugang dazu komplett verwehrt ist. Natürlich darf sie bei mir über die Schulter sehen, natürlich erkläre ich ihr vieles am Rechner und auch ohne. Nur dieses freie Agieren bleibt noch unter Verschluss.
Neben der Vermittlung des notwendigen Know Hows, der Einhaltung der Regeln, der notwendigen Reife, die vonnöten sind, sich irgendwann anonym oder öffentlich allein durchs www zu bewegen beschäftigt uns natürlich noch manch andere Frage.

Was stellen wir für Regeln auf und Warum?
Wie gehen wir um mit der ständigen Präsenz digitaler Medien im Alltag?
Was leben wir den Kindern vor?

Dabei stelle ich immer wieder fest, dass wir streng sind. In so vielen Kinderzimmern von Grundschülern liegen tablets mit nahezu frei einteilbarer Zeit. Die Kinder der Freunde und Familie daddeln stets am handy wenn man sie trifft. Auch wenn da Spielkameraden sind. Fast jedes Kind, das ein Handy hat, hat es mit im Kinderzimmer bei freier Zeiteinteilung. Sie glauben nicht, wie oft des Kindeleins Handy zu später Stunde unter der Woche im Wohnzimmer noch blinkt. Auch schon mal mitten in der Nacht. Computernutzung ohne Aufsicht. Solche Dinge. Ich schau dem Kind nicht immer über die Schulter am Rechner. Aber ich bin in der Regel im selben Zimmer, zumindest bei Internetdingen. Wenn sie nur etwas tippen muss, dann gern im Kinderzimmer. Surfen ginge dort mangels WLAN allerdings sowieso nicht. Und das sind nur einige Regeln, die bei uns anders sind. Dabei habe ich durchaus das Gefühl, dass unsere Kinder Freiheiten im www haben. Nur bewege ich mich in der Nähe und lasse sie nicht allein, Ich weiss in der Regel was sie schauen, helfe mitunter bei der Auswahl. Sie sind nicht allein und das finde ich ehrlich gesagt wichtig. Es gibt nach wie vor Zeitbegrenzungen. Und die liegen täglich bei deutlich weniger als einer Stunde für beide Kinder.
Ansich bin ich überzeugt von diesem Weg. Manchmal erstaunt, dass es woanders so viel lockerer ist. Manchmal auch unsicher. Vor allem aber wie gesagt etwas überfordert, wie ich, wie wir diese Mammutaufgabe der digitalen Medienerziehung so hinbekommen, dass die Kinder sich eines Tages sicher in diesen Medien bewegen und einen gesunden Umgang damit finden.

Und ich bin neugierig - wie machen Sie das so?!

Freitag, 13. Januar 2017

Von der FrauNebeL Geduld

Geduld ist son zweischneidiges Ding. Oder vielleicht differieren mein Berufs-Ich und mein Alltags-Ich einfach zu sehr. Wobei der Beruf, den ich ja nun doch tagein, tagaus ausübe (ausser am freien Donenrstag eben) (und ausser an den Wochenendstagen natürlich), durchaus zu meinem Alltag gehört und dort demnach auch mein Alltags-Ich auf der Matte stehen müsste. Aber irgendwie ist dem nicht so. Zumindest was die Geduld angeht. Eigentlich nämlich bin ich nicht so geduldig. Meistens. Vielleicht bin ich sogar ungeduldig. Ich bin definitiv nicht geduldig genug, Nähkram mit Schnickeldi zu versehen, weil das viel zu lange dauert. Ich nehm lieber ein nettes Stöffchen, schneide zu, nähe zusammen, fertig. Möglichst "schnell schnell". Entspannt mich allerdings trotzdem. Wenn das Buch zu spannend ist, lese ich schneller vor Ungeduld. Wenn es zu langweilig ist, überfliege ich die Seiten, bis es endlich wieder spannend wird. Wenn die Kindelein streiten, zanken, zicken, nölen, Türen knallen bin ich höchst ungeduldig. Ich gehe öfter mal an die Decke, bevor ich auch überhaupt nur ansatzweise ans Beherrschen, bis 10 zählen oder andere Strategien nur denken kann. Die Grenze ist meist sehr schnell erreicht. Was nicht unbedingt heisst, dass ich jedes Mal schwer ausflippe, aber ich bin nicht geduldig. Ein Charakterzug könnte man meinen?
Nun, bei der Arbeit ist das anders. Ich bin voller Geduld und meistens gelassen. Ich kann innerhalb von 5 Minuten auch gern 10 mal den haargenau gleichen Sachverhalt mit einem Patienten besprechen, der Gedächtnisdefizite hat. Weil ich genau weiß, derjenige fragt mich das jetzt, weil es gerade wichtig ist. Und er sich nicht mehr erinnern kann an die 9 Male zuvor. Ich kann zum xten Male voller Geduld mit meinem Patienten, der Schwierigkeiten mit der Orientierung und dem Visus hat, den Aufzug blockieren, bis er es schafft, den richtigen Knopf zu finden und zu drücken. Ich bin voller Geduld, wenn ich mit vielen Patienten Übungen mache, damit sie ihre Worte wiederfinden. Ich höre geduldig zu und suche gemeinsam Wege der Verständigung, wenn ich eben nicht verstehe, was mein Gegenüber mit Sprachstörung mir gerade sagen will und ich ungern eine Kommunikation erfolglos für jemanden abbreche - auch wenn das leider dennoch manchmal vorkommt. Ich übe geduldig wieder und wieder dieselben Bewegungsmuster, Laute und Lautverbindungen mit demselben und vielen verschiedenen Patienten. Und manche andere Dinge dieser Art. Ich bin also durchaus geduldig. Oft sogar sehr geduldig. Aber eben häufig nicht ausserhalb der Arbeitsstelle... So unterscheiden sie sich wirklich, die FrauNebeL, die zur Arbeit geht und die, die zurück kommt. Vielleicht ist ja aber die zu tragende Arbeitskleidung magisch geduldsverstärkend. Aber den Alltag in weißer Hose und blauem PoloShirt zu bestreiten ist dann auch nicht der Weg der Wahl. Am besten sollte ich diese Arbeitsfähigkeit in meinem Hinterkopf behalten um dann hier daheim ein wenig durchzuatmen und auf ebendiese Fähigkeit auch im Alltag zu vertrauen. So ganz manchmal täte uns allen das durchaus ganz gut (allerdings würde das Nähen mit Schnickeldi dennoch nicht klappen fürchte ich. Aber was solls, es entspannt mich auch im Schnellnähmodus und ne Menge Stoffe haben eh kein Schnickeldi nötig:-))

Montag, 9. Januar 2017

Der Alltag oder auch nicht und der Murphy

Montagmorgen - Ferienende. Nachdem ich nun 2 Wochen als allereinzige der Familie überhaupt vor Tagesanbruch aufgestanden bin, dürfen ab jetzt wieder alle in der Dunkelheit aufstehen. Wobei ich zugegebenermaßen sagen muss: ich bin hier nicht die erste, die aufsteht. Nicht mal die zweite. Im Alltag bin ich hier die, die als letztes aufsteht. Eine Weile lang hab ich mir wirklich den Kopf und das Herz zerbrochen wie schrecklich undiszipliniert ich bin, ich mich nur zusammenreißen muss und ach, das geht doch nicht, NACH den Kindern aufzustehen. Ich Rabenmutter. Inzwischen sehe ich das ein wenig entspannter. Denn: warum denn nicht? Ich hasse Aufstehen. Es macht mir seit vielen Jahren große Mühe. Früher war das anders, warum auch immer. Da hab ich mir im Studium die Frühschichten in verschiedenen Fabriken um die Ohren geschlagen, bin um sechs Uhr irgendwo auf der Matte gestanden und oft hat der Wecker geklingelt, als da eine 4 vorne stand. Heute ist alles, wo eine 6 vorne steht schon schwer erträglich. Und natürlich steht die im Alltag immer vorne. Der erste Wecker im Haus klingelt um 05:40... Absolut indiskutabel. Und das darf es auch sein. Jahrelang bin ich nachts zu den Kindern getapert. Habe (jahre)lang das kleine Kindelein im 1,5 - 2 Stundentakt gestillt. Bin natürlich in aller Herrgottsfrühe raus, weil die klitzekleinen Kindelein eben ausgeschlafen waren. Und heute sind sie groß. Ich muss keinem mehr beim WaschenAnziehenHaarebürsten helfen. Ich muss keinem Kindelein mehr Brote schmieren. Das machen die nämlich selber - am Abend zuvor. Und ich bin nicht alleine, da ist auch noch HerrNebeL. Er braucht am Morgen lange im Bad - ich nicht. Also kommt das kleine Kindelein am Morgen zu Kuscheln vorbei und steht dann meistens mit HerrnNebeL auf. Mittendrin ist die Große wach und fertig. Und wenn ich gut bin, sitzen wir alle gemeinsam am Frühstückstisch für ein Müsli (frühstücken mit einer 6 auf der Uhr geht auch gar nicht). Das kleine Kindelein wird im Wechsel von mir und dem Gatten zur Schule gefahren (die, die fussläufig ist, die wollten wir nicht. Aus Gründen). Das große Kindelein verlässt um sieben das Haus für den Bus. Irgendwann zwischen 07:45 und 08:15 bin ich dann bei der Arbeit. So wie heute, der Alltag hat uns wieder.

Heute durfte ich allerdings früher als geplant wieder gehen - und das war schon nett, bereits um 12:30 Feierabend zu machen. Es stand die augenärztliche Kindersprechstunde auf dem Progamm. Routinemäßiges Tropfen, tapferes kleineres Kindelein und im Ergebnis etwas schlechtere Dioptrinwerte. Brillenverordnung erfolgt aber erst bei der Nachkontrolle durch die Orthoptistin beim nächsten Termin. Mitten in der Lektüre der ELTERN family  - herrliche Kurzweil bei solchen Terminen - musste ich beim Aufruf eines Kindes jedoch ein wenig aufhorchen: "Als nächstes der Murphy bitte"....
Kaum aufgerufen trafen wir noch meine Kindheitssportfreundin, mit der ich noch heute zum Sport gehe und ihren Sohn. Kindersprechstunde mit Augentropfgarantie halt. So klein ist die Stadt hier allerdings nicht und ein paar Augenärzte hat es schon. Allerdings wenige mit Orthoptisten. So kann man da schon mal den Ein oder Anderen treffen.
Kurzerhand besuchte uns anschließend der Sohn der Sportfreundin und die beiden augengetropften Leidensgenossen spielten im abgedunkelten Zimmer vor sich hin mit Lichterkettchenschnickeldi. Am Ende gemeinsames Abendessen mit frischgebackenem Brot, Familie, Freundin und Sohn inklusive.

Den weiteren Alltag habe ich mir anschließend allerdings geschenkt. Training von 21:15 bis 22:30. Plus vorheriges Warmlaufen. Auch wenn die Kindheitssportfreundin, mit der ich ja immer noch Sport mache, echt alles versucht hat, mich umzustimmen. Das ist nämlich so: wir spielen in einer Mannschaft, den Sport, der mir als nahezu einziger überhaupt jemals wirklich Spaß gemacht hat. Ich habe lange pausiert, aber als ich vor einigen Jahren wieder anfing, trainierte uns der beste Trainer, der mich je trainiert hat. Es war hart. Hat aber auch Spaß gemacht. Und ich hab noch einiges gelernt. Und war etwa 10 mal fitter als in der Sportpause. Wir stiegen auf in die Regionalliga. Und dann nahm das Leid so langsam seinen Anfang. Kolleginnen hörten auf. Jüngere, Unerfahrenere kamen hinzu. Oder auch nicht - es zog Unzuverlässlichkeit ein. Mehr und mehr. Die Trainingsbeteiligung minimierte sich. Der Trainer war nicht sehr amused, ebenso wie die übrig gebliebenen eigentlich immer anwesenden Spielerinnen. Der Spielbetrieb auf dem Feld - es gibt eine Hallen- und eine Feldsaison - musste mangels Damen eingestellt werden und wir spielten nur in der Halle. Und waren natürlich zu Beginn der Saison deutlich weniger im Training, als wir es gewesen wären, wenn es auf dem Feld eine spielende Mannschaft gegeben hätte. Wir spielten in dieser Hallensaison viele Spiele nicht mal schlecht. Aber - wir stiegen ab. Der Trainer hörte auf, aus vielerlei Gründen, nicht nur aufgrund der Situation in der Damenmannschaft. Manch eine spielte daraufhin ein Weilchen für den Verein der kleinen Nachbarstadt. Und zum Herbst fanden sich einige Damen wieder zusammen, um die Oberligasaison zu  bestreiten, in die wir abgestiegen waren. Ohne Trainer zunächst. Dann mit einer Kooperation mit dem kleinen Nachbarstädtchen inklusive Trainer. Ein netter Kerl, aber sportlich nicht vergleichbar. Und nun - macht es keinen Spaß. Zum Training kommen wenige. Wegen Arbeit. Urlaub. Verletzung. Krankheit. Fehlender Motivation. Wasweissich. Und es macht noch viel weniger Spaß. Und - jeder wird es ahnen - wir verlieren. Das macht auch nicht sonderlich viel Spaß. Und ich musste mir eingestehen, dass ich einfach den Absprung verpasst habe. Aufhören wollte ich bereits, aber ach, das Pflichtgefühl, das Zureden der Kameradinnen, das Fehlen einer sportlichen Alternative für mich führten zu einer Zusage für diese Saison. Und ich bereue es zutiefst. Ich werde die Saison in der Halle zu Ende bringen, keine Frage. Aber ich habe beschlossen, meinem Gefühl nachzugeben was das Training angeht. Wenn ich Lust habe wird trainiert. Sonst nicht. Wäre früher nie in die Tüte gekommen. Wenn ich einen Mannschaftssport gemacht habe, war ich immer da wo es irgend ging. Pflichtprogramm, egal ob ich Lust hatte oder nicht. Ich bin es leid. Und mach jetzt einfach das, was ich will. Und heute wollte ich hier bleiben, die Kinder in Ruhe ins Bett bringen - das wird je älter die werden ja auch immer später - Tee trinken, Musik hören und mich ein wenig im www herumtreiben. Und wenn ich zum Sport gegangen wäre, stünde ich jetzt noch nicht mal unter der Dusche. Stattdessen kann ich mich nun schon ganz entspannt mit dem Kindle ins Bett legen. Gute Entscheidung. Auch wenn die Kindheitssportfreundin mich so gern mitgenommen hätte (in Wahrheit wollte die nämlich auch nicht - sie ist allerdings der Hallenschlüsselträger. Und muss nach dem Training die Halle abschließen. Und ja, eigentlich machen wir das seit Jahren zusammen. Aber ich glaub, ich bin jetzt wirklich mal fertig. Wenn ichs mir recht überlege, ist es schon eine ganze Weile grenzwertig, mit Gegnern auf dem Feld zu stehen, von denen etwa 80% meine Kinder sein könnten.)

Alltagsstart im Hause NebeL. Eben mehr oder weniger. Und nächstens an dieser Stelle dann Überlegungen zur Verteibung der nun freiwerdenen Zeit. Aber erst mal muss ich die letzten Wochen noch ohne Verletzung überstehen. Murphys law. Sie verstehen?!